Fehleranalyse im Prüfbericht

Immer wieder Kostenexplosionen

Münster

Im internen Prüfbericht der Stadtverwaltung sind Ursachen aufgelistet, was alles genau auf der „Baustelle“ Mathilde-Anneke-Schule schief ging und geht. Pannen und Fehler, die jedes mal die Kosten in die Höhe treiben.

Von Karin Völker

Blick auf die Baustelle an der Mathilde-Anneke-Schule. Foto: Matthias Ahlke

Der Bericht des Amtes für Wirtschaftlichkeitsprüfung zum Bau der Mathilde-Anneke-Schule hat es in sich. Hier einige Beispiele, was alles im Detail schiefging, Verzögerungen und Kostensteigerungen verursachte:

Die Stadtverwaltung ist für die Vergaben bei dem Projekt zuständig. Für die Brandschutzplanung erhielt ein Ingenieurbüro einen Auftrag im Umfang von 50 000 Euro, abgerechnet wurden mittlerweile 170 000 Euro. Für die Nachträge gab es laut Prüfbericht kein Vergabeverfahren und „keine nachvollziehbare Begründung“.

Acht Monate Verzug

Die Planung des bauleitenden Architekturbüros F+G aus Ahaus verursachte folgenschwere Probleme. Die Schweizer Firma Renglli, Lieferantin der Holzfertigteile, konnte wegen der Verzögerungen erst acht Monate später als geplant tätig werden und stellte deswegen sogenannte Behinderungsanzeigen – aus Sicht der Prüfer sind sie gerechtfertigt. Wegen der Verzögerungen stellte die Schweizer Firma Nachforderungen in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Verunglückte Stahlbetontreppen

Stahlbetontreppen wurden 60 Prozent teurer als veranschlagt, weil eine ohnehin teure vorgesehene Schalltrennung im Nachhinein „planmäßig vernichtet“ wurde, indem Betonstahl in die Lücke geklebt wurde. Auch wurde nicht, wie geplant, Sichtbeton gegossen.

Dem von F+G zunächst mit der Bauleitung vor Ort betraute Ingenieurbüro wurde Anfang 2021 gekündigt – nicht im Sinne der Stadt Münster. Sie fand, dass die Firma im Großen und Ganzen ordentlich gearbeitet habe und befürchtet durch den Wechsel neuerliche Verzögerungen.

Projektsteuerer warnen wiederholt deutlich

Die Statusberichte der mit der Projektsteuerung beauftragten Firma BMP sprechen eine deutliche Sprache: Schon im Juli 2020 weist das Büro darauf hin, dass F+G „seine Koordinationspflicht in nicht ausreichendem Umfang wahrnimmt“ und sich damit „vertragswidrig“ verhält. Und weiter: „Aus Sicht der Projektsteuerung müssen zur Einhaltung der Termine die Kapazitäten beim Büro F+G für dieses Projekt signifikant erhöht werden.“ Im Januar 2021 heißt es dann: „Ein kostenbewusstes Verhalten sowie eine wirtschaftliche Planung durch den Architekten sind weiterhin nicht feststellbar.“

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