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Regisseur Volker Schlöndorff besucht Schloßtheater

In Afrika vom Skeptiker zum Optimisten

Münster

„Der Waldmacher“ heißt der Film, der derzeit im Schloßtheater zu sehen ist. Regisseur Volker Schlöndorff stellte sich dort am Samstagabend Fragen zu seinem Werk, für das er Tony Rinaudo, Träger des Alternativen Nobelpreises, in Afrika begleitet hat.

Von Maria Conlan

Max Neumann (Leitung des Schloßtheaters) begrüßte Regisseur Volker Schlöndorff (r.). Foto: con

Der Regisseur Volker Schlöndorff war am Samstagabend im Schloßtheater zu Gast. Dort ist zurzeit sein Film „Der Waldmacher“ zu sehen. Schlöndorff beantwortete Fragen rund um sein neues Werk. Er freute sich, dass trotz des guten Wetters viele Besucher gekommen waren: „Unglaublich, das braucht das Kino.“

„Der Waldmacher“ ist eine Geschichte der Hoffnung, des Scheiterns und der Ausdauer. Schlöndorff – dessen Film „Die Blechtrommel“ 1980 als „Bester fremdsprachiger Film“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde – nennt seinen ersten Dokumentarfilmversuch „Filmessay“. Im Mittelpunkt steht Tony Rinaudo, Träger des Alternativen Nobelpreises.

Als Schlöndorff den Agrarwissenschaftler nach dessen Auszeichnung in Berlin traf, habe er geglaubt, er habe bereits Tausende von Unterstützern. Da er irrte, wollte der Regisseur durch einen Film auf die Arbeit in der Sahelzone aufmerksam machen und sie unterstützen. Drei Jahre Filmarbeit waren die Folge. Schlöndorff bereiste neun Wochen lang sieben afrikanische Länder mit Rinaudo.

Leben in der in der Sahelzone

Zwei Bücher hatten den Australier motiviert, als junger Mann in den Niger zu ziehen. Nach zweieinhalb Jahren wollte Rinaudo aufgeben, weil Baumpflanzungen fehlschlugen. Dann entdeckte er altes, lebendiges Wurzelwerk im Boden, das es galt, neu zum Wachsen zu bringen. Rinaudo lebte mit seiner Familie jahrzehntelang in der Sahelzone, um mit den Menschen dort die Wiederaufforstung in Gang zu bringen. „Der Reichtum liegt im Land“, ist Rinaudo überzeugt. „Afrika könnte die Welt ernähren. Wer sich um Bäume kümmert, wird nicht hungern.“

Rinaudo arbeitet auch für World Vision, eine Organisation, die Kleinbauern hilft, ihre Nahrungsgrundlagen zu erhalten, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, die Perspektiven und eine Zukunft für Kinder schaffen will. Schlöndorff beleuchtet verschiedene Probleme, darunter Landflucht, doch immer stehe der Mensch im Mittelpunkt seines Interesses, so auch Rinaudo.

„Afrika wäre zu allem fähig, das ist mein eigentliches Anliegen“, sagt Schlöndorff (83) im Schloßtheater. „Als Skeptiker bin ich hingefahren, als Fast-Optimist bin ich zurückgekehrt.“

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