Noch ist hier längst nicht alles wie früher

In das Kuhviertel kehrt das Leben zurück

Münster

Ins Kuhviertel kehrt das Leben zurück. Doch viele Feiernde beklagen, dass das gemeinsame Ausgehen noch um einiges von der Normalität, wie man sie vor der Pandemie gekannt hat, entfernt sei.

Von Julian Alexander Fischerund

Zahlreiche vor allem junge Menschen zog es am Wochenende ins Kuhviertel. Vor einigen Kneipen bildeten sich Schlangen, weil sie wegen der Corona-Beschränkungen weniger Gäste hereinlassen dürfen als früher. Foto: Fischer

Der Gang durch die Jüdefelderstraße am Samstagabend weckt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Junge Menschen stehen und sitzen unbeschwert auf der Straße, trinken das ein oder andere Bier, unterhalten sich ausgelassen. Doch bei genauerem Hinsehen ist keinesfalls alles wie früher: Es bilden sich vielmehr kleine Grüppchen, die unter sich bleiben. Kontakt zu anderen wird weniger gesucht. Und viele warten einfach nur. Sie wollen in die Kneipen, aber die können wegen der Corona-Regeln nur wenige Gäste aufnehmen. Also bilden sich vor fast allen Bars Schlangen.

Gegenüber vom Barzillus sitzen vier Freunde. Sie sind das erste Mal wieder in der Jüdefelderstraße und haben gemischte Gefühle. „Es ist ein wenig absurd, weil man es gar nicht mehr kennt. Das Normale fühlt sich nicht normal an“, findet Quint Floyd Doleske. Er und seine Freunde kommen gerade aus der Kreuzstraße, aber wollen in keine weitere Bar. Sie genießen einfach die Atmosphäre. „In der Jüdefelder auf dem Bordstein zu sitzen und auf eine Pizza zu warten, das gehört einfach dazu“, freut sich Lena Meyer.

So geht es auch vielen anderen. Der Kneipenbesuch müsse gar nicht sein, die Stimmung der Jüdefelderstraße reiche ihnen. Doch das ist auch problematisch, viele kommen mit eigenen Flaschen in das Kuhviertel. Sie richten sich teilweise mit Tischen und Trinkspielen auf der Straße ein. Der Lärmpegel bleibt so konstant hoch, der Müll häuft sich vor den Hauseingängen. Auch ist für die Türsteher nicht immer zu unterscheiden, wer denn in die Kneipen möchte und wer nur auf der Straße herumsteht. Vor der Pandemie kamen die Leute wegen den Kneipen, nun verlagert sich das Geschehen nach draußen.

Zum dritten Mal in der „Dille“

Fiona Damm und ihre Freunde sind derweil wirklich für die Bars gekommen. Sie trinken noch ein letztes Bier und wollen dann in die Destille. Für Fiona ist das schon wieder Normalität geworden: „Ich bin jetzt das dritte Mal in der Dille, seitdem sie wieder geöffnet hat. Am ersten Tag habe ich extra im Regen gewartet.“ Es sei aber ein anderes Gefühl als vor der Pandemie, man bleibe mehr unter sich. „Trotzdem fühlt es sich manchmal ein bisschen illegal an. Aber man versucht es auszublenden“, ergänzt Micha Eisenkopf.

Dann ist das Bier leer, in die Kneipe können sie aber noch nicht. In der Schlange stehen vier Gruppen vor ihnen. Es ist offensichtlich: Die jungen Menschen haben das Ausgehen im Kuhviertel vermisst und sehnen sich nach den Kneipen.

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