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Start für das Projekt „Münster lernt schwimmen“

In neun Tagen zum Seepferdchen

Münster

Wegen der Corona-Pandemie sind zahlreiche Schwimmkurse und das Schulschwimmstunden ausgefallen. Die fatale Folge: Immer weniger Kinder können sich am Ende der Grundschulzeit über Wasser halten. Das Projekt „Münster lernt schwimmen“ will jetzt gegensteuern.

Von Pjer Biederstädt

Erste Schwimmstunde für die Kinder der Norbertgrundschule: In einem Intensivkurs sollen sie schwimmen lernen. Bei ähnlichen Projekten schlossen knapp 75 Prozent der Kinder die Kurse mit dem Seepferdchen-Abzeichen, 30 Prozent sogar mit Bronze ab. Foto: Matthias Ahlke

Geschlossene Bäder, abgesagter Unterricht, ausgefallene Kurse – viele Kinder haben während der Pandemie nicht schwimmen lernen können. Weil Bewegung wichtig ist und die Abkühlung im Baggersee für Nichtschwimmer schnell lebensgefährlich werden kann, startete am Montag das Projekt „Münster lernt schwimmen“.

Das Kooperationsprojekt von Bezirksregierung, Sportamt und Schulsport-Ausschuss wurde in Zusammenarbeit mit den münsterischen Sportvereinen und dem Stadtsportbund auf die Beine gestellt. Das Ziel: möglichst vielen Dritt- und Viertklässlern der Grund- und Förderschulen in Intensivkursen das Schwimmen beibringen. Insgesamt besuchen 700 zuvor per Abfrage als Nichtschwimmer ausgemachte Kinder an neun aufeinanderfolgenden Schultagen in Gruppen täglich zur selben Zeit einen einstündigen Schwimmkurs.

Stadt investiert 40.000 Euro

Die Kurse finden in den sechs städtischen Hallenbädern sowie im Bürgerbad Handorf statt. Die Bäder sind eigentlich geschlossen, werden aber eigens für das Projekt geöffnet und beheizt. Rund 40.000 Euro – eine Hälfte sind Aufwandsentschädigungen für die 68 Übungsleiter, die andere Hälfte Transportkosten – lässt sich die Stadt das Projekt kosten.

Erlernen einer wichtigen Kulturtechnik

Bewegung, Integration, Erlernen einer Kulturtechnik – Oberbürgermeister Markus Lewe und Thomas Michel von der Bezirksregierung, der Regierungspräsidentin und Projekt-Schirmfrau Dorothee Feller vertrat, benannten in ihren Grußworten viele gute Gründe für das Projekt, ehe die ersten Kinder ins Becken sprangen.

26 Schüler der Norbertgrundschule machten am Montag im Hallenbad Münster Mitte den Anfang. „Insgesamt sind 70 Kinder unserer Schule dabei“, sagte Lehrerin Christina Varnhagen. Weit über die Hälfte der Dritt- und Viertklässler der Coerder Schule seien Nichtschwimmer, so Varnhagen.

Rückgang an Seepferdchen-Abzeichen um 70 Prozent

Alarmierende Zahlen, auf die die DLRG schon seit Längerem hinweist. Im Corona-Jahr 2020 wurden bundesweit nur 14 566 Seepferdchen-Abzeichen überreicht, ein Rückgang von über 70 Prozent. Auch in Münster gibt es pandemiebedingt mehr Nichtschwimmer, wie Timo Donnermeyer von der DLRG Münster weiß. Die Schwimmkurse seien dementsprechend ausgebucht. Für mehr fehle es an Ausbildern und Schwimmflächen.

Im Hallenbad Münster-Mitte starteten 26 Kinder der Norbertgrundschule in Coerde ins Schwimm-Projekt "Münster lernt schwimmen". Foto: Matthias Ahlke

Ein durch die Pandemie verschärftes, aber kein neues Problem. Schon 2008 schrieb sich Lewe, damals OB-Kandidat, den Slogan „Jedes Kind soll schwimmen“ auf die Fahne. Allzu viel passiert ist in Sachen Schwimmflächen seither nicht. Das Bürgerbad Handorf kam hinzu. Sehnlichst wird auf den Bau des Südbads gewartet. Das kann die Engpässe aber frühestens 2023 minimieren.

Aktuell übersteige die Nachfrage nach Beckenzeiten immer noch das Angebot, sagte Sportamtsleiterin Kerstin Dewaldt. Münster sei mit sechs Hallen-, drei Freibädern und dem Bürgerbad aber vergleichsweise gut aufgestellt.

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