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Missbrauchsvorwurf gegen 31-jährigen Münsteraner

Junge musste Unvorstellbares erleiden

Münster

Mehr als 20 Mal soll ein Münsteraner einen zur Tatzeit zwischen fünf und sieben Jahre alten Jungen missbraucht haben. Nun muss sich der Mann vor dem Landgericht verantworten.

Von Julia Körtke

Foto: Friso Gentsch

Zwei Jahre lang sollte es ein Geheimnis bleiben: Was passierte, während die Mutter arbeiten war? 2017 entdeckte die Polizei kinderpornografische Aufnahmen auf dem Handy des 31-jährigen Münsteraners, und das Geheimnis flog auf. In über 20 Fällen soll der Angeklagte den Sohn seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben, er muss sich nun den Vorwürfen vor dem Landgericht Münster stellen.

Zwischen 2015 und 2017 kam es immer wieder zu Misshandlungen, von denen der damals Fünf- bis Siebenjährige am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Münster berichtete. Wegen Überlastung der Justiz konnte die Verhandlung erst vier Jahre nach den Taten beginnen, der heute Elfjährige musste sich lange der Angst ausgesetzt sehen, dass sein Peiniger noch immer auf freiem Fuß ist. Er habe Angst vor dem Mann, und so musste neben der Öffentlichkeit auch der Angeklagte während der Aussage des Jungen den Saal verlassen.

Dem Jungen Geld versprochen

Welche Szenen er dem Vorsitzenden beschrieb, kann man sich später nur ausmalen, als die Aussagepsychologin von ihren eigenen Vernehmungen berichtet. Dass der damalige Grundschüler immer wieder mit seinem Stiefvater „kuscheln“ musste und dass dieser oft noch weiter ging. Nach eigenen Aussagen habe der 31-Jährige dem Jungen auch Geld versprochen, wenn er sexuelle Handlungen an ihm vornehmen würde. Doch der Psychologin gegenüber sagte er, dass es nie Geld gab. Aus Angst, sein Versprechen zu brechen und das Geheimnis zu verraten, schwieg das Kind jahrelang. Bis die Polizei auf dem Handy des Angeklagten pornografische Aufnahmen entdeckte und der Grundschüler seiner Mutter verriet, was alles passierte, während sie aus dem Haus war.

Seine Mutter, die selbst Missbrauchsopfer ist, konnte das erst nicht glauben. Auch sein jüngerer, damals dreijähriger Bruder, soll Opfer geworden sein, kann aber bis heute keine Aussagen dazu machen.

Verteidigung zweifelt an Glaubwürdigkeit des Jungen

Während die Verteidigung offen an der Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Elfjährigen zweifelt, schweigt der Angeklagte. Den ganzen Prozesstag über sitzt er anscheinend emotionslos neben seiner Anwältin. Gleichzeitig lässt das Gericht Berichte eines damals Fünfjährigen verlesen, die einen fassungslos zurücklassen. Der 31-Jährige soll die Taten zudem bei voller Schuldfähigkeit begangen haben, so das psychiatrische Gutachten. Am Donnerstag ist der letzte Verhandlungstag.

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