1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Juso-Chef wettert gegen „Verrat an Europa“

  8. >

SPD-Neujahrsempfang mit Kevin Kühnert

Juso-Chef wettert gegen „Verrat an Europa“

Münster

Volles Haus bei der SPD: Beim Neujahrsempfang in der Friedenskapelle sprach der Juso-Chef Kevin Kühnert vor rund 450 Besuchern – und stellte Forderungen.

Klaus Baumeister

Sie standen beim SPD-Neujahrsempfang im Mittelpunkt (vorne, v.l.): Fraktionschef Dr. Michael Jung, Gastredner Kevin Kühnert, Europa-Kandidatin Sarah Weiser und Parteichef Robert von Olberg. Foto: Matthias Ahlke

Der Name Kevin Kühnert zieht. Rund 450 Gäste kamen am Montagabend zum SPD-Neujahrsempfang in die Friedenskapelle im Gewerbegebiet Loddenheide. 35 Minuten sprach der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, der bekannt wurde im vergangenen Jahr mit der von ihm geleiteten Kampagne gegen die GroKo. Am Ende seiner Rede gab es stehenden Applaus für den bekennenden Partei-Linken. Nicht zuletzt die kompromisslose Art, mit der Kühnert eine neue „Verteilungsgerechtigkeit“ einforderte, kam beim Publikum an.

Beifall gab es beispielsweise, als der 29-Jährige „Mindeststeuersätze in der EU“ forderte, um eine Negativspirale in der Finanzpolitik zu stoppen. „Die Steueroasen von heute heißen Luxemburg, Malta und Irland.“ Internationale Konzerne, nicht zuletzt aus der Internetbranche, dürften keine Chance mehr haben, die Staaten gegeneinander auszuspielen. „Wer keine Steuern zahlt, darf auch kein Geld verdienen“, pochte er auf eine deutlich härtere Gangart gegenüber größeren Unternehmen.

Aufstiegsversprechen an junge Menschen einlösen

Zugleich ließ der Referent keinen Zweifel daran, dass die Europa-Müdigkeit voranschreite, sollte es innerhalb der EU keinen sozialen Ausgleich geben. Die vielen jungen Arbeitslosen in Griechenland, Italien und Spanien würden derzeit „einen Verrat an Europa erleben“, der nicht länger hinzunehmen sei. Es sei eine Illusion zu glauben, Reisefreiheit und eine gemeinsame Währung würden genügen. „Das reicht nicht als Motivation.“ Die EU werde scheitern, wenn sie nicht ihr „Aufstiegsversprechen“ gegenüber jungen Menschen einlöse.

Sarah Weiser, Vorstandsmitglied der münsterischen SPD, nutzte den Neujahrsempfang, um sich im Gespräch mit dem SPD-Vorsitzenden Robert von Olberg als Münsterland-Kandidatin der SPD für die Europawahl im Mai vorzustellen. Weiser bekräftigte die Bedeutung der Wahl jenseits der bloßen Frage nach dem Wahlergebnis: „Es kann etwas kaputtgehen“, sprach die Kandidatin die Befürchtung an, dass die Europa-Gegner in der EU weiter an Boden gewinnen. Die SPD sei um so mehr gefordert.

Startseite
ANZEIGE