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Leistungsschau des Stadtverbands an der Meerwiese

Kaninchenzucht mit Leidenschaft seit 1910

Münster

„Ihr berichtet über jeden Kaninchenzuchtverein!“ – das mussten sich noch vor wenigen Jahren viele Journalisten anhören. Die Wahrheit ist: So viele Kaninchenzuchtvereine gibt es gar nicht. Der 111-jährige Stadtverband Münster allerdings ist noch munter.

Von Reinhold Kringel

Der Stadtverband der Kaninchenzüchter wurde 111 Jahre alt und veranstaltete seine 95. Stadtverbandsschau im Begegnungszentrum Meerwiese (v.l.): Dr. Roland Otto (ehemaliger Leiter des Veterinäramts), Bezirksbürgermeister Manfred Igelbrink, Johannes Laufer (Gewinner des Jungtierwettbewerbs), Hans-Dieter Köckemann (Sieger der Schau mit den besten zwei Zuchtgruppen) und Lothar Scholthaus (Stadtverbandsvorsitzender). Foto: rkr

Der Stadtverband der Kaninchenzüchter feierte seine diesjährige Leistungsschau der Rassekaninchen im Begegnungszentrum Meerwiese – und zugleich seinen 111. Geburtstag.

Die Tiere werden nach strengen Kriterien beurteilt: Gewicht, Farbe, Körperbau, Proportionen von Kopf und Ohren, Pflegezustand – alles muss stimmen, um eine hohe Punktzahl zu bekommen.

Der Züchter mit den meisten Punkten ist in diesem Jahr Hans-Dieter Köckemann aus Mecklenbeck. Er bekam für seine beiden Zuchtgruppen Satin/Thüringer 774,5 Punkte. In der Jugendgruppe erreichte Johannes Laufer aus Ostbevern mit seinen Tieren der Rasse Sachsengold 772,5 Punkte. Im Vereinswettbewerb gingen die beiden Wanderpokale nach Mecklenbeck und Wolbeck.

20 Prozent der Tiere stammen von jugendlichen Züchtern

„Früher hatten wir 120 Mitglieder“, berichtete der Stadtverbandsvorsitzende Lothar Scholthaus, „heute sind wir noch 30.“ In ganz Deutschland gebe es 160 000 Züchter in fast 5000 Vereinen, aber viele seien nicht mehr aktiv, und es gebe zu wenig junge Leute. „Bei uns werden fast 20 Prozent der Tiere von Jugendlichen ausgestellt. Das zeigt, dass der Stadtverband Münster zwar alt, aber von seinen Mitgliedern her noch nicht völlig vergreist ist“, meint der Vorsitzende.

Timo Pohlmann ist mit seinem Vater sogar aus Füchtorf angereist. Der 16-Jährige hat mit zehn Jahren angefangen, Kaninchen zu züchten. Sein Vater ist ebenfalls Züchter, der hat ihm alles gezeigt. Inzwischen hat Timo aber auch andere Interessen wie Angeln oder Tischlern – was er bald zu seinem Beruf machen will.

Tierkrankheiten sind wichtiges Thema

„Vor 50 Jahren spielten Krankheiten in der Kaninchenzucht noch keine Rolle“, sagte der Stadtverbandsvorsitzende, „aber inzwischen gibt es RHD und Myxomatose.“ Gegen RHD („Kaninchen-Ebola“) gebe es eine Impfung, die die Tiere nach 14 Tagen immunisiere; die Impfung müsse jedes Jahr wiederholt werden. Die Myxomatose verlaufe meistens tödlich. Das aus Südamerika stammende Virus sei in den 50er-Jahren absichtlich zur Dezimierung der Kaninchenpopulation verbreitet worden.

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