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Warenhauskette

Galeria Karstadt Kaufhof: 90 Filialen vor dem Aus?

Essen/Münster

Bei Galeria Karstadt Kaufhof nehmen die Turbulenzen zu. Während der Insolvenzverwalter versucht, das Unternehmen zu retten, berichtet der Betriebsrat über Pläne, mehr Filialen zu schließen. Das könnte auch den Standort Münster schwer treffen.

An Doppelstandorten von Karstadt und Kaufhof wie Münster herrscht Unruhe.  Foto: Oliver Werner

Bei der insolventen Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sorgen Nachrichten aus dem Betriebsrat für Unruhe in der Belegschaft. Einem internen Dokument zufolge sollen bis zu 90 der insgesamt 131 Filialen geschlossen werden, berichtete der Betriebsrat einem Bericht der „Lebensmittelzeitung“ zufolge.

Das sorgt vor allem an Doppelstand­orten mit einer alten Karstadt- und einer ehemaligen Kaufhof-Filiale, wie etwa in Münster, für große Unruhe. Auch von einem stärkeren Personalabbau sei in dem Papier die Rede, ­meldeten die Arbeitnehmervertreter per E-Mail an die Mitarbeiter.

Insiderkreise zweifeln Zahlen an

Galeria-Chef Miguel Müllenbach hatte zuvor lediglich angekündigt, dass mindestens ein Drittel der 131 Filialen in 97 Städten geschlossen werde. Derzeit arbeiten mehr als 17.000 Mitarbeiter für die Kaufhauskette. Nach den Informationen aus dem Betriebsrat macht sich Angst vor ex­tremen Personal­kürzungen breit. In dem Schreiben ist die Rede von weiteren bis zu 30 Prozent.

Die Warenhauskette dementierte gegenüber unserer Zeitung die Schreckensmeldungen. „Welche Häuser geschlossen werden, steht heute noch nicht fest. Wir gehen derzeit in Gespräche mit den Vermietern“, hieß es auf Anfrage. In diesen ­Verhandlungen gehe es neben der Miete selbst auch um weitere Fragen wie zum Beispiel die Flächennutzung, energetische Sanierungen, Modernisierungs- und Baumaßnahmen und vieles mehr, hieß es. Ob ein Standort erhalten bleiben könne, werde auch stark von diesen Gesprächen abhängig sein. „Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januars des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird“, kündigte ein Pressesprecher in Essen an.

In Insiderkreisen werden die Zahlen aus dem Betriebsrat angezweifelt. 30 bis 40 Filialen stünden nach wie vor auf der Kippe und keinesfalls 90, ist von dieser informierten Seite zu hören.

Galeria Karstadt Kaufhof hatte Anfang November zum zweiten Mal Insolvenz im Schutzschirmverfahren beantragt. Das bedeutet, dass das Unternehmen die Insolvenz selbst verwaltet und versucht, sich auch auf eigene Faust zu sanieren. In diesem Zuge wurden bereits die Chefetage verkleinert.

Kaufinteressent hat 47 Filialen ins Auge gefasst

Auch der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verweist auf die laufenden Verhandlungen. Noch sei keine Entscheidung getroffen.

Schon in der Vergangenheit war Galeria immer wieder in Schwierigkeiten ge­raten: Im ersten Corona-Lockdown im April 2020 hatte das Unternehmen ein Schutzschirmverfahren beantragt. Die Warenhauskette schloss rund 40 Filialen, baute Tausende Stellen ab und bekam mehr als zwei Milliarden € Schulden erlassen.

Doch der Neustart misslang. 2021 und 2022 folgten weitere Schließungen. Auch staatliche Unterstützung wurde erneut beantragt. ­Insgesamt griff der Wirtschaftsstabilisierungsfonds dem traditionsreichen Warenhaus-Konzern in zwei Hilfsaktionen mit 680 Millionen € unter die Arme. Die Kaufhauskette kam aber schon vor Corona wieder ins Schlingern.

Bereits Anfang November dieses Jahres hatte die Gewerkschaft Verdi den Immobilien-Milliardär René Benko dazu aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen. Seit 2019 gehört der damals aus Karstadt und Galeria Kaufhof zusammengeführte Konzern zu seinem Unternehmen, der Signa-Holding.

Welche Filialen von einer möglichen Schließung betroffen sind, ist unklar. Ein möglicher Kaufinteressent sei Markus Schön vom ­Onlinehändler Buero.de. Medienberichten zufolge hat er 47 Filialen quer durch Deutschland ins Auge gefasst. Sie sollen nach einer möglichen Übernahme offenbar unter dem Namen „Schön hier“ weitergeführt werden und nach wie vor mit einem Warenhaus­sortiment an den Start gehen. Dafür wolle Schön einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, hieß es. Die Fragen der Finanzierung sind aber wohl noch nicht endgültig geklärt.

Kommentar: An einem Strang ziehen

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