1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Kaum Chancen im Unfallbus

  8. >

Unfallforscher der Versicherer fordert höhere Sicherheitsstandards

Kaum Chancen im Unfallbus

Münster

Selten angelegte Zweipunkt-Beckengurte, fehlende Lichtleisten und kaum zu öffnende Notausstiege: Unfallforscher fordern, dass die Sicherheitsstandards für Reisebusse deutlich verbessert werden. Am Dienstag zeigten sie in Münster mit einem riesigen Simulator, was ansonsten passieren kann.

Von Helmut Etzkorn

Wenn der Reisebus nach einem Unfall auf die Seite kippt wie hier im Überschlagssimulator, bleiben nur die angegurteten Fahrgäste auf ihren Sitzen. Foto: Etzkorn

Die Chance, einen Reisebus nach einem schweren Unfall rechtzeitig verlassen zu können, ist „eher gering“, so die Unfallforscher der Versicherer. „Die Evakuierungsmöglichkeiten müssen verbessert werden“, forderte Chefgutachter Siegfried Brockmann, als am Dienstag auf dem Crashtest-Gelände in Münster-Wolbeck der derzeit europaweit einzige Bus-Überschlag­simulator vorgestellt wurde.

Die heute üblichen (und selten angelegten) Zweipunkt-Beckengurte beispielsweise sind kaum zu öffnen, wenn der Bus auf der Seite liegt. Hier müssten es Dreipunkt-Lösungen sein, so der Verband. Lichtleisten zu den Notausstiegen fehlen, die meist längs eingebauten Dachluken sind kaum zu öffnen und müssten durch quersitzende Modelle ersetzt werden. Brockmann: „Der beste Notausgang ist die Frontscheibe, aber die ist durch einen Nothammer quasi unzerstörbar.“ Hier fordert der Verband eine technische Lösung mit einem kleinen Druckschlauch, der im Ernstfall die Frontscheibe splitterfrei herausspringen lässt. Und Sonderaufbauten wie Ski- und Fahrradboxen am Heck machen auch diesen Rettungsausstieg häufig unpassierbar. Seitenfenster scheiden meist aus, weil sie drei Meter vom Boden entfernt sind.

Unfallforscher fordern höhere Sicherheitsstandards

Weil die Gänge zu schmal sind, treffe es bei einem schweren Unfall die häufigste Reisebus-Benutzergruppe, nämlich Senioren. „Der Richtwert, dass alle Insassen nach drei Minuten den Bus verlassen haben sollen, ist illusorisch“, so Siegfried Brockmann.

Bei den zwar seltenen, dafür aber folgenschweren Reise­busunfällen mit Brand sei deshalb regelmäßig eine große Zahl an Todesopfern zu beklagen. Auch, weil die Materialien im Innenraum nicht schwer entflammbar sind und Brände sich rasend schnell ausbreiten können. Fazit der Unfallforscher: „Neufahrzeuge brauchen höhere Sicherheitsstandards!“

Video in Kooperation mit dem WDR:

Startseite