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Stadt ist von Antrag nicht überzeugt

Kein Zuschuss für Stoffwindeln?

Münster

Zwei Initiativen setzen sich für eine städtische Förderung von Stoffwindeln ein, doch die Verwaltung bezweifelt den ökologischen Nutzen und beruft sich auf eine Studie.

Von Timo Gemmeke 

Zwei Münsteraner Initiativen setzten sich für eine öffentliche Förderung beim Kauf von Stoffwindeln ein – mit weniger Kosten für junge Eltern und besserer Öko-Bilanz als Ziel. Die Stadt Münster ist bisher nicht überzeugt.

Bereits im vergangenen September hatten sich Vertreter des Stoffwindeltreffs und des Vereins Zero Waste Münster an die Stadt gewendet. „Junge Eltern wollen keine Windel-Müllberge mehr, starten oft beim zweiten oder dritten Kind mit Stoffwindeln – und sind begeistert“, heißt es in dem Antragsschreiben. Was die meisten Eltern jedoch häufig abschrecke, sei die – im Vergleich zu Einwegwindeln – hohe Anfangsinvestition.

Auf lange Zeit gesehen seien es jedoch gerade Einwegwindeln, die die meisten Kosten erzeugen würden. „Gerade in den ersten Monaten, wo circa zehn Mal am Tag eine neue Windel hermuss, geht fast die Hälfte des Kindergeldes für Wegwerfwindeln drauf.“

Entlastung für AWM

Hier seien Stoffwindeln nicht nur die günstigere, sondern auch umweltschonendere Alternative. So bräuchte man für eine gesamte Wickelzeit nur etwa 30 Stoffwindeln, womit im Anschluss auch weitere Kinder gewickelt werden oder die Windeln weiterverkauft werden könnten. Auch für die Abfallbetriebe sei die Verwendung von Stoffwindeln von Vorteil, weil keine unverwertbaren Rückstände übrig blieben wie beim Entsorgen von Einwegwindeln.

Weil nicht jedes junge Elternpaar die Anfangskosten von etwa 200 Euro für Überhosen und Windeln stemmen könne, fordern die Initiativen eine öffentliche Förderung von 60 % des Kaufpreises bis maximal 120 Euro. Eine derartige Förderung – so der Vorschlag – könne pro Kind einmalig bis zum zweiten Geburtstag in Anspruch genommen werden.

60 Kommunen machen schon mit

Die Initiativen verweisen auf etwa 60 Kommunen bundesweit, die bereits Stoffwindeln fördern würden – und den Anspruch der Stadt Münster als nachhaltige und familienfreundliche Kommune. „Dabei würde sich Münster als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen an die Spitze der Bewegung stellen und hätte somit Vorbildcharakter.“

In einer Vorlage für den Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft zeigt sich die Stadt wenig überzeugt. Ihr Zweifel: Die Ökobilanz von Stoffwindeln sei nicht per se besser als die von Einwegmodellen. Dabei zitiert die Stadt aus einer Studie der britischen Umweltbehörde aus dem Jahr 2008, laut der Stoffwindeln nach zweieinhalb Jahren Nutzung sogar 20 Kilogramm mehr Co2 verursachen würden als Einwegwindeln. Ausschlaggebend sei hierbei das mögliche Einsparungspotenzial etwa durch Nutzung einer Stromsparenden Waschmaschine oder dem Trocknen an der frischen Luft statt im Trockner.

Das Problem: die CO2 -sparsame Verwendung von Stoffwindeln sei „weder vorausgesetzt noch durch die Verwaltung überprüfbar“. Dementsprechend sei „der unterstellte Mehrwert für die Ökobilanz nicht so nachhaltig, dass die grundsätzliche Förderungswürdigkeit der Verwendung von Stoffwindeln aus Sicht der Verwaltung bestätigt werden kann“.

Das letzte Wort liegt beim Rat

Gehe man dem Antrag jedoch hypothetisch nach, fielen Kosten für die Prüfung sowie die praktische Umsetzung in der Verwaltung an. Bereits eine halbe zusätzliche Stelle, die sich mit der Stoffwindel-Förderung beschäftigen müsse, beziffert die Stadt mit etwa 66 000 Euro im Jahr. „Dieser Aufwand steht in einem deutlichen Missverhältnis zu dem nicht sicher zu unterstellenden positiven Nutzen für die Umwelt“, schreibt die Stadt Münster in ihrer Begründung.

Über die Ablehnung des Antrages auf Förderung berät am 22. Juli der Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft. Endgültig entscheiden soll am 23. Juli der Rat.

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