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Stadt ist gegen „Gendersternchen“

Keine „Bürger*innen“ im Schriftverkehr der Verwaltung

Münster

„Bürger*innen“, „WählerInnen“ oder „Lehrer_innen“ sucht man im offiziellen Schriftverkehr der Stadtverwaltung bislang vergeblich. Zwar wird in einer Geschäftsanweisung ausdrücklich klargestellt, dass bei schriftlichen Texten – neben verständlicher Sprache und Befolgung der Regeln der amtlichen Rechtschreibung – auch auf Gendergerechtigkeit zu achten sei. Auf kreative Wortkonstruktionen wie in Hannover wird jedoch in Münster (bislang) verzichtet.

Martin Kalitschke

Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg setzt bei schriftlichen Mitteilungen das „Gendersternchen“: Die Stadt Münster lehnt eine solche Schreibweise ab. Foto: dpa/Marijan Murat

Die niedersächsische Landeshauptstadt hatte in der vergangenen Woche „Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ gegeben. „Wähler“ heißen dort künftig „Wählende“, ein „Rednerpult“ wird zum „Redepult“, und wenn es gar nicht anders geht, soll auch das „Gendersternchen“ („Bürger*innen“) zum Einsatz kommen.

„Die geschlechtergerechte Sprache ist auch in Münster seit Jahren ein Thema“, hat Stadt-Sprecher Joachim Schiek beobachtet. Bereits vor sechs Jahren habe die Verwaltung daher zusammen mit dem Frauenbüro das Faltblatt „Fair formuliert“ herausgegeben. Darin werden ausdrücklich Doppelnennungen („Bürgerinnen und Bürger“) oder das Prinzip „Sachbezeichnung statt Personenbezeichnung“ („Leitung“ statt „Leiterin oder Leiter“) begrüßt.

Nachfrage nahm zu

Die Diskussionen hörten aber auch nach Veröffentlichung dieses Leitfadens nicht auf. Auch aus städtischen Dienststellen nahmen laut Schiek Nachfragen zu, ob man denn nicht doch das Binnen-I („LehrerInnen“) oder das „Gendersternchen“ verwenden dürfe. Die Verwaltung erkundigte sich daraufhin 2017 beim Bibliografischen Institut (Duden-Redaktion), bei der Sprachberatung der Stiftung Deutsche Sprache und bei der Arbeitsstelle für Sprachauskunft und Sprachberatung der Universität Vechta. Keine der drei Stellen sprach sich für „Gendersternchen“ oder Binnen-I aus. Denn: Sie widersprächen nicht nur den gültigen Regeln der Rechtschreibung, sondern führten sogar zu einer „Irritation des Schriftbildes“, unter der gerade Menschen mit Behinderung oder geringer Lesekompetenz leiden würden.

Bedenken der Stadt

„Ich habe Bedenken, dass wir durch neue, kompliziertere Schreibweisen auch für solche Menschen neue Verständnisbarrieren aufbauen“, ist Schiek überzeugt. Schriftsprache solle Wirklichkeit „bestmöglich und verständlich wiedergeben“. Daher sei es nur konsequent, wenn sich die Stadtverwaltung ausnahmslos an die Regeln der Rechtschreibung halte. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheiden damit Schreibweisen mit Binnen-I, Unterstrich oder Sternchen aus“, so Schiek.

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