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Fachtagung

Kinder und Jugendliche vor Gewalt schützen

Münster

Gewaltprävention im Fokus: Eine  Offensive hat Schutzkonzepte für Kinder- und Jugendzentren sowie Jugendsozialarbeit zum Ziel. Um dieses zu erreichen, tauschten sich jetzt Experten auf einer Fachtagung aus. 

Den Startschuss zur Entwicklung besserer Gewaltschutzkonzepte in Münsters Kinder- und Jugendarbeit gaben bei einem Fachtag (v.l.) Michael Jung-Lübke und Stefan Freck von der Beratung „fj-prävention“, Heike Nees und Bernhard Paschert vom Amt für Kinder, Jugendliche und Familien sowie Jan Pöter und Gesa Bertels, Fachberater und Fachberaterin sexualisierte Gewalt im LWL Landesjugendamt. Foto: Stadt Münster/Münsterview

Münsters Kinder- und Jugendzentren sowie Einrichtungen der Jugendsozialarbeit starten gemeinsam eine Offensive, um handfeste Maßnahmen zum Gewaltschutz in ihren Einrichtungen umzusetzen.

Flächendeckend sollen junge Menschen laut städtischer Pressemitteilung dabei unterstützt werden, ihre Rechte auf Schutz und Beteiligung zu erhalten – zum Beispiel an außerschulischen Treffpunkten wie dem Black Bull e.V. in Amelsbüren, dem Lorenz Süd in Berg Fidel oder Cactus Junges Theater. Aber auch Mitarbeitende der aufsuchenden Jugendsozialarbeit bereiten sich fachlich darauf vor, um Jugendlichen den Rücken zu stärken gegen Übergriffe. Dieses Ziel ist auch im vierten Münsteraner Kinder- und Jugendförderplan verankert.

Fachtag als Startschuss

Startschuss der Entwicklungsoffensive war ein Fachtag: Stefan Freck und Michael Jung-Lübke von der Beratung „fj-prävention“ (Voerde) informierten 70 in Münster tätige Fachkräfte umfassend über Formen von Gewalt, Täterstrukturen sowie Inhalt und Erarbeitung von Schutzkonzepten.

Weiterhin beratend zur Seite stehen wird das Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Gefördert wird die gesamte Qualifizierungsmaßnahme mit gut 100 000 Euro aus Mitteln des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration NRW.

Wie sollen Schutzkonzepte aussehen?

Nächster Schritt sind Qualifizierungszirkel, in denen sich kleine Gruppen darüber austauschen, wie ein Schutzkonzept für ihre jeweilige Einrichtung aussehen könnte. In den kommenden sechs Monaten steht auch eine so genannte Risiko- und Potenzialanalyse für alle Einrichtungen im Fokus.

„Es wird darum gehen, einen Eindruck davon zu gewinnen, welchen Schutz und welche Sicherheit die Kinder und Jugendlichen wünschen. Wir wollen wissen, was aus ihrer Perspektive dazu beiträgt, dass sie sich an ihrem Treffpunkt oder im Umgang mit Mitarbeitenden der aufsuchenden Jugendsozialarbeit sicher und geschützt fühlen. Wichtig ist auch, was jungen Menschen Sorgen bereitet und wo sie sich respektlos behandelt sehen“, erklärt Heike Nees, Leiterin der Fachstelle Jugendsozialarbeit im städtischen Amt für Kinder, Jugendliche und Familien.

Handlungsfähig bleiben

„Erkenntnisse über Schutzfaktoren und Risiken bilden die Grundlage für Maßnahmen zum Gewaltschutz. Es braucht fachkundige Menschen, die als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner hilfreiche Orientierung bieten“, ergänzt Claudia Brörmann von der Fachstelle Jugendsozialarbeit. Vertrauenspersonen für Kinder und Eltern in jeder der beteiligten Einrichtungen, ein Verhaltenskodex, Beschwerdemanagement und sexualpädagogische Konzepte – das sind Bausteine, die zu einem besseren Schutz vor Gewalt beitragen sollen.

Diese und andere Angebote sollen respektvolles Miteinander und die Widerstandsfähigkeit junger Menschen gegenüber Grenzüberschreitungen stärken - das gilt gleichermaßen und insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsbeeinträchtigungen. „Solche einrichtungsbezogenen Schutzkonzepte werden präventiv gegen sexualisierte, emotionale und körperliche Gewalt wirken. Die Jugendarbeit in Münster knüpft hier an bestehende partizipative Gesprächs-, Diskussions- und Entscheidungsstrukturen an“, so Heike Nees.

Dennoch braucht es auch festgelegte Verfahren, die bei Verdachtsfällen und Vorfällen greifen. „Die Einrichtungen sollen im Ernstfall handlungsfähig bleiben. Und sie erarbeiten Möglichkeiten, wie man nach einem Verdachtsfall oder einem Übergriff mit den Auswirkungen umgehen kann“, betont Claudia Brörmann.

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