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Aufführung im Pumpenhaus

Klug inszenierte Depressionen

Münster

David Foster Wallace Auseinandersetzung mit der Depression ist international bekannt. Das Stück „Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“ hinterließ im Pumpenhaus jetzt einen besonderen Eindruck.

Von Helmut Jasny

Nis Hohenhövel Foto: Philipp Fölting

„Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“ ist eine frühe Erzählung des amerikanischen Autors David Foster Wallace. Er beschäftigt sich darin mit Depression – der üblen Sache, unter der er bis zu seinem Suizid 2008 gelitten hat. Der Planet Trillaphon steht als Metapher für die Medikamente, die ihm das Leben erträglich machen sollen. Das Verhältnis ist ein Teufelskreis. Mit oder ohne Medikamente, in jedem Fall ist er nicht er selbst.

Regisseurin Mareike Fiege und der Schauspieler Nils Hohenhövel haben den Text jetzt als szenische Lesung im Pumpenhaus auf die Bühne gebracht. Wobei szenische Lesung nicht ganz stimmt, denn es gibt ein ausgewachsenes Bühnenbild, Requisiten und eine durchgehende Soundkulisse (Yasin Wörheide). Zudem spricht der in Münster geborene und heute am Wiener Volkstheater engagierte Hohenhövel den Text nicht nur frei, sondern führt ihn nach allen Regeln der Kunst auf.

Das große schwarze Loch

Man erlebt ihn als verunsicherten Jungen, wenn er von seiner Schulzeit erzählt, von seiner Angst, plötzlich ohne Anlass weinen zu müssen, von der damit einhergehenden Vereinsamung und von der Unfähigkeit, Stille zu ertragen. Er zieht für seine Erinnerungen ein altes Tagebuch heran, das er aus dem Kühlschrank holt und später im Klo runterspült. Als Student versucht er das Gefühl der Depression in Worte zu fassen. Von einem großen schwarzen Loch ist die Rede und von der Erkenntnis: Du hast die üble Sache nicht – Du bist sie.

Eine ungesunde Mischung aus Ironie, Sarkasmus und Resignation bestimmt seinen Ton, wenn er von einem ebenfalls depressiven Mädchen erzählt, in das er sich verliebt und das sich dann das Leben nimmt. Irgendwann fängt er zu toben an, schleudert Tennisbälle über die Bühne oder versucht, unter die Bodenbretter zu kriechen. Es ist der verzweifelte Versuch, einem Zustand zu entkommen, dem man nicht entkommen kann. Zumindest nicht ohne Hilfe von Chemie.

Das Ende bleibt offen

Und hier kommt der Planet Trillaphon ins Spiel. Weit weg zu sein von sich, könne gegen die üble Sache helfen, meint er. Denn „die üble Sache ist“ – und hier geht mitten im Satz das Licht aus. Das Ende bleibt offen in dieser klug inszenierten und ausdrucksstark gespielten Aufführung, die am heutigen Samstag letztmalig im Pumpenhaus zu sehen ist.

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