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Letztes Orgelkonzert vor der Renovierung

Konzertantes Abschiedsgeschenk

Münster

Zum Abschluss der Orgelkonzertreihe in der Apostelkirche präsentierte Fernando Gabriel Swiech noch einmal die reiche Tradition der norddeutsch-barocken Orgelkunst. Nun wird die Orgel abgebaut und saniert. 

Von Chr. Schulte im Walde

Gabriel Swiech überzeugte in der Apostelkirche. Foto: Schulte im Walde

Nun also war sie ein letztes Mal als Solistin in einem Konzert zu erleben, die „Königin der Instrumente“ in der Apostelkirche. Fernando Gabriel Swiech aus Hamburg zog am Mittwoch Abend zum Finale die Register, die in Kürze allesamt abgebaut und einer Frischzellenkur unterzogen werden, bis sie dann zu Silvester wieder in neuem Glanz erstrahlen sollen.

In Zentrum von Swiechs Programm stand, wie schon in den vorangegangenen drei Konzerten, die große und reiche Tradition der norddeutsch-barocken Orgelkunst. Sie liefert ein vielfältiges Repertoire, angefangen bei Nicolaus Bruhns und seiner kleinteilig angelegten, aber ausgedehnten Fantasie („Praeludium in G“), sie weiß in ihrem Schatz reizvolle choralgebundene Stücke von Vincent Lübeck und Franz Tunder, schließlich auch die große d-Moll-Passacaglia, einem Meisterstück von Dietrich Buxtehude.

Farben der Ott-Orgel leuchteten

Für Fernando Swiech viel Gelegenheit, die Farben der Ott-Orgel leuchten zu lassen und hübsche Echo-Effekte zu realisieren. Und ganz nebenbei wurde den Zuhörern stets ins Bewusstsein gerufen, mit welcher Kunstfertigkeit die Barock-Komponisten ihre Werke geschaffen hatten: sehr abwechslungsreich, stark im Ausdruck, wobei in Swiechs Werkauswahl durchaus das Tänzerische, Leichte, Fröhliche überwog – mal abgesehen von der eher ernsten Buxtehude-Passacaglia.

Dann vier Minuten aus einer ganz anderen Welt, der minimalistischen Klangwelt des Philipp Glass: „Dead Things“ aus der Musik zu Stephen Daldrys Film „The Hours“. Man kann das mögen. Im Gegensatz zu dem, was voranging und noch folgte, war es aber doch einfach gestrickt.

Juan Cabanilles rechnet in seinem „Tiento“ mit einer spanischen Barockorgel samt der typischen horizontalen Trompeten. Aber auch ohne sie geht es, wie Fernando Swiech bewies. Und die beschwingten Tongirlanden eines Pablo Bruna – auch sie kamen frisch und quirlig daher. Felix Mendelssohn Bartholdys 5. Sonate, das Finale des Orgelabends, repräsentierte die frühe Romantik, die Swiech klanglich aus dem Geist des Barock interpretierte.

Es war ein feierlicher Abschied von der Orgel. Gut, dass er nicht so lange dauern wird. Viel Beifall für den Interpreten aus dem Norden.

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