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Pawel Popolski zieht in Münster alle Register

Kracher auf dem Gewürzregal

Münster

Wenn der Komponist und Musiker Achim Hagemann, ein Freund Hape Kerkelings, seine Kunstfigur „Pawel Popolski“ und dessen abgedrehte Familie zum Leben erweckt, bleibt kein Auge trocken. So war es auch am Wochenende in Münster.

Von Hans Lüttmann

Achim Hagemann verleiht der Kunstfigur „Pawel Popolski“ Leben und Würze. Foto: Hans Lüttmann

„Der wissen der Wenigste“, klärt Pawel Popolski mit unüberhörbar polnischem Akzent das Publikum über den größten Skandal der Musikgeschichte auf: Nicht die Amis oder die Briten, sondern Pawels Opa Piotrek Popolski hat die Pop-Musik erfunden. Nachdem er vor mehr als 100 Jahren beim Pfarrfest in Pyskowice 22 Gläser Wodka auf das Wohl der Jungfrau Maria getrunken hatte, ersann er eine kleine Melodie. Das war die Erfindung der Popolski-Musik, die später als Pop-Musik bekannt wurde.

Opa und die Pop-Musik

Opa Piotrek komponierte später mehr oder weniger sämtliche Nummer-1-Hits der Geschichte, die ihm aber von Elvis, den Bee Gees, den Stones, Modern Talking und vielen anderen gestohlen und westlich verhunzt wurden. Dass er nebenbei auch noch den Synthesizer erfand, den „Polkatronic“, und Disco-Kracher auf dem Gewürzregal spielen konnte – „das haut der Putz von der Decke“. Was war denn da los am Samstag im Congress-Saal der Halle Münsterland?

Zwischen Kofferschlagzeug, Kesselpauken, Polkatronic und ebenjenem Gewürzregal kippt sich Pawel Popolski ohne Unterlass Wodkaschnäpse „hinter der Binde“, schwärmt von der „Polka-City Muunster“ und erzählt abstruse Geschichten über „der Familie Popolski“ und seinen Opa Piotrek. Und, das ist das Beste an diesem urkomischen Abend: Er demonstriert am Schlagzeug, warum die Polka allen anderen Musikgattungen energetisch überlegen ist: „Da geht sofort der Post ab durch der Decke, bei der Jazz falle ich direkt in der Tiefschlafphase!“ Pawel spielt Opas Hits, nicht alle, aber alle mit völlig überzogenem polnischen Touch, von Funk bis Blues, von Disco-Pop bis „Raps-Musik“, Filmklassiker wie „Der weiße Hai“ und „Psycho“ und „der peinlichste, beklopptste Lied Neh Na Na Na“, das die Zuhörer ganz beseelt mitsingen. Doch damit nicht genug: Aus dem Plattenbau in Zabrze wird der jüngste Bruder Janusz Popolski per „Skypek“ live in die Show geschaltet und macht seinem Ruf als „der trubste Tasse von der ganze Familie“ alle Ehre.

Bekloppt und niveauvoll

Bekloppt? Ja, aber musikalisch auf überraschend hohem Niveau unterhält der angebliche, total überzeichnete Pole das Publikum mit seinem Programm „nach der Strich und der Faden“ und „nagelt sich schön einen chinter der Schrankwand“ oder „lötet sich einen unter der Toupet“.

Hinter Pawel Popolski steckt der Komponist und Musiker Achim Hagemann, der durch Auftritte mit seinem Schulfreund Hape Kerkeling bekannt wurde. Er schrieb auch dessen Hits „Das ganze Leben ist ein Quiz“ und „Hurz“ sowie die Musik zu vielen Fernsehproduktionen – für die Serie „Der kleine Vampir“ erhielt er 1994 sogar den Adolf-Grimme-Preis. In Münster spielt er zwar mit Klischees und Stereotypen, aber er wird nie übergriffig und reißt auch keine „Polen klauen Autos“-Witzchen.

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