1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Nach Verlust durch Suizid: Der Weg zurück ins Leben

  8. >

Krisenhilfe

Nach Verlust durch Suizid: Der Weg zurück ins Leben

Münster

Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist immer schwer. Ein Strudel von Schuldgefühlen, Scham, Wut und Enttäuschung entsteht bei jenen, die jemanden durch einen Suizid verloren haben. Die Krisenhilfe möchte diese Menschen unterstützen. 

Von Martina Döbbe

Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben, finden nun bei der Krisenhilfe Unterstützung.  Foto: dpa (Symbolbild)

Tränen, die einfach nicht versiegen wollen. Schuldgefühle, Scham, vielleicht aber auch Wut und Enttäuschung. Wer einen Menschen verliert, der sich das Leben genommen hat, der rutscht oft in einen Strudel von Emotionen, die über ihm zusammenschlagen. Wie soll es weitergehen? Kann man je wieder zurückfinden in sein „altes“ Leben, lachen, unbeschwert sein? Fragen, die Betroffene sich immer wieder stellen, und auf die sie allein nicht immer eine Antwort finden. Ihnen bietet die Krisenhilfe Münster die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben: den Verlust eines Menschen durch Suizid.

Mit viel Einfühlungsvermögen und dem Blick auf jeden Einzelnen begleiten Dorothea Plaß-Kehl und Inge Roß diese Gruppe. Beiden liegt am Herzen, die Teilnehmer zu stärken, ihnen Raum zu geben, ihre Trauer, ihre Gefühle und ihre Fragen zu teilen.

Beginn mit Einzelgesprächen

Wer kann sich anmelden? „Jeder, der einen nahe stehenden Menschen durch Suizid verloren hat. Es wäre gut, wenn es schon eine Form der Aufarbeitung gegeben hat“, unterstreicht Petra Karallus. Die Leiterin der Krisenhilfe erklärt auch warum: „Für eine Gruppe ist es von Bedeutung, dass schon ein gewisser Abstand zwischen dem traurigen Abschied von dem jeweiligen Menschen und dem Beginn der Gruppenarbeit liegt.“ Ansonsten sei es oft hilfreich, zunächst in Einzelgesprächen die Trauerarbeit zu beginnen. Auch dieses Angebot macht die Krisenhilfe Münster, die in ihrem Team 16 Ehrenamtliche zählt, die sich in der Trauerbegleitung haben ausbilden lassen.

Doch zurück zur Gruppe, die Mitte Januar 2023 startet. Es sind insgesamt acht Abende, an denen die Treffen in den Räumen der Krisenhilfe an der Klosterstraße stattfinden. Begrenzt wird die Anzahl auf acht Teilnehmer, um für den besonderen Anspruch und die besonderen Situation einen, persönlichen Rahmen zu schaffen. Bevor die Gruppe startet, gibt es Kennenlerngespräche mit jedem Interessenten, in denen Inge Roß und Dorothea Plaß-Kehl ihre Arbeit erläutern und auch die Vorstellungen der möglichen Teilnehmer hören möchten.

Inge Roß (l.) und Dorothea Plaß-Kehl gestalten für jedes Treffen der Trauergruppe einen persönlichen Rahmen. Foto: ide

Würdiges Erinnern

Ihre Erfahrung aus den vergangenen Gruppen hat sich oft bestätigt: „Es geht um ein würdiges Erinnern, auch darum, den Menschen, den man verloren hat, nicht ausschließlich auf die Entscheidung zu reduzieren, dass er sich das Leben genommen hat.“ Hilfreich könne sein, das ganze gemeinsame Leben in den Fokus zu rücken, manchmal gehe es auch darum, Frieden zu schließen mit demjenigen, der sich für einen Suizid entschieden hat.

Anmeldungen sind möglich unter kontakt@krisenhilfe-muenster.de oder in der Krisenhilfe unter der Nummer 0251/519005.

Startseite
ANZEIGE