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Monika Leßmann zeigt Klöppelwerke in der Torhaus-Galerie

Kunst aus dem wertvollsten Material

Münster

Ehrfurcht ergreift den Betrachter angesichts dieser Spitzen. Denn in den geklöppelten Werken von Monika Leßmann stecken nicht nur Sachverstand und jahrzehntelange Erfahrungen, sondern unfassbar viel Zeit.

Von Gerhard H. Kock

Monika Leßmann zeigt in der Torhaus-Galerie des Stadtheimatbundes nicht nur die Vielfalt der Klöppel-Kunst, sondern zudem deren Aktualität. In der „Jahrhundertdecke“ (das Oval im Hintergrund) steckt ein Jahr Arbeit; für ein solch kleines ornamentales Motiv wie von dem Klöppelbrief (kl. Bild) bedarf es rund acht Stunden . . . Foto: Gerhard H. Kock

Seide, Silber, Gold – Monika Leßmann arbeitet mit kostbaren Stoffen. Das wertvollste Material ihrer Kunst aber ist die Zeit. Die Tage, Wochen, ja Monate, die in einzelnen Werken stecken sind „unbezahlbar“. Wer sich über Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieser Kunst informieren möchte, hat derzeit beim Stadtheimatbund in der Ausstellung „Klöppeln ist Spitze“ die beste Gelegenheit.

An die 50 Jahre geht Leßmann der Kunst des virtuosen Verdrehens, Verkreuzens, Verknüpfens, Verschlingens nach – ein Zeichnen mit Fäden. Durch ihre Ausbildung war die gebürtige Münsteranerin (Jahrgang 1946) schon mit allerlei textilen Techniken vertraut, Klöppeln fehlte noch, da kam ein Kursus an der Volkshochschule gerade recht, zahlreiche Fortbildungen folgten von Brügge bis Tondern. Selbst Mustervorlage, die Klöppelbriefe kann sie erstellen, was nicht nur künstlerisches Verständnis, sondern zudem mathematische und geometrische Berechnungen erfordert.

Für Monika Leßmann scheint Klöppeln eine Berufung zu sein: „Wer einmal mit dem Klöppeln begonnen hat, der vergisst die Zeit.“ Das muss man auch, denn Voraussetzung für diese Kunst sind Muße und Zeit. Trotz Industrialisierung und Emanzipation: Das kunstvolle Klöppeln wird überwiegend von Frauen beherrscht, und bis heute kann nur der Mensch um die Ecke klöppeln – keine Maschine.

Das Klöppeln hat vor Jahrhunderten damit begonnen, dass Fransen an Kleidungsstücken geflochten wurden, damit die nicht ausfransen. Decken, deren Breite durch den Webstuhl begrenzt war, konnten mittels Klöppelspitze verbreitert werden. Zur Geburt adeliger Mädchen wurden zwei Klöpplerinnen eingestellt, damit bis zur Hochzeit das prachtvolle Spitzenkleid fertiggestellt war. Feinstes Klöppeln wurde eine Tätigkeit adeliger Damen. Das war gestern. Ursula Warnke (Vorsitzende des Stadtheimatbundes): „Wir wollen mit der Ausstellung bewirken, dass man mit dem Klöppeln in die Moderne kommt.“

Da treffen dann schon mal Werte aufeinander, die nachdenklich stimmen: So hat Leßmann ein T-Shirt aus Seide geklöppelt, das hat Monate gedauert. Und ihre Arbeit sieht man. Ein industrielles T-Shirt kostet manchmal keine fünf Euro. Die Arbeit der Näherinnen sieht man nicht. Daher ist die Wertschätzung und der Umgang mit der Arbeit so unterschiedlich. Vielleicht sollte der Mensch mehr geklöppelte Kleidung tragen . . . Denn Zeit und menschliche Arbeitskraft sind letztlich das wertvollste Material.

Die Eröffnung ist am Sonntag (23. Oktober) um 11 Uhr in der Torhaus-Galerie, Neutor 2.

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