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Lesung in der Pension Schmidt

Kurzweilige Reise durchs Leben von Neven Subotic

Münster

Bescheiden, reflektiert, sympathisch: Neven Subotic, ehemaliger Fußballprofi und BVB-Meisterheld, hat bei der Lesung aus seinem Buch "Alles geben" in Münster bewiesen, dass ihm sein guter Ruf nicht nur vorauseilt. Und, dass er gute Anekdoten zu erzählen hat. 

Von Pjer Biederstädt

Neven Sobutic hat am 26. Juli 2022 in der Pension Schmidt in Münster aus seinem Buch "Alles geben" gelesen. Es erzählt von einem Sportler, den das kapitalistische System Profifußball groß machte, bevor er zum gesellschaftspolitischen Aktivisten wurde. Foto: Pjer Biederstädt

In der ausverkauften Pension Schmidt war am Dienstagabend kaum ein Durchkommen. Das Publikum – einige im BVB-Trikot, andere im Sakko – lauschten gebannt den Anekdoten von Neven Subotic. Der ehemalige Fußball-Profi las aus seinem Buch „Alles geben“, das in Zusammenarbeit mit Sonja Hartwig entstanden ist.

Darin zeichnet er seinen Weg vom bosnischen Flüchtlingskind zum Fußballstar, der über die Abseitslinie hinaus zu denken beginnt und zum gesellschaftspolitischen Aktivisten wird.

Mit dem Ferrari durch Dubai

Besonders die kleinen Anekdoten rund um die Meisterfeier mit dem BVB, als ihm Fans die Schuhe als Andenken klauten, kamen gut an beim Publikum - so gut, dass sie direkt in die Dortmunder Meisterhymne einstimmten, als Subotic die ersten Silben davon vorlas.

Oder auch die Einblicke in das Leben eines 19-Jährigen, der auf einmal sehr viel Geld hat und nach dem Vorbild anderer Fußballer Autos auswählt wie andere Eissorten oder im Dubai-Urlaub mit einem gemieteten Ferrari zur Fast-Food-Kette seines Vertrauens fährt, während im Luxus-Ressort feinste Delikatessen auf ihn warten. 

Ausverkauft war die Pension Schmidt bei der Lesung von Neven Subotic.  Foto: Pjer Biederstädt

Was Subotic von vielen anderen Fußballern unterscheidet: Er fängt irgendwann an, die turbokapitalistischen Gesetzmäßigkeiten des Fußball-Zirkus zu hinterfragen und sich Gedanken über Gerechtigkeit zu machen. Wie gerecht ist es, dass ein Fußballer Millionen verdient, während eine Putzfrau von einem Job allein nicht leben kann? Dass wir jederzeit ein Glas Wasser trinken können, aber täglich 2000 Kinder an Krankheiten sterben, die durch verunreinigtes Wasser übertragen werden?

Es sind diese Fragen und Freunde, die nichts mit Fußball am Hut haben, die ihn dazu bringen, 2012 eine Stiftung zu gründen. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, Menschen in Äthiopien, Kenia und Tansania Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene zu verschaffen. 

Unterm Strich bleibt ein kurzweiliger Abend mit reflektiertem Kerl auf dem Podium und „Humba“-singendem Publikum, das nach der Lesung natürlich noch Autogramme und Selfies bekommt. 

Neven Sobutic hatte gute Laune, obwohl die Anreise aus Erfurt mit dem Zug länger dauerte als vorgesehen. Foto: Pjer Biederstädt

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