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Prozessauftakt gegen Sabrina K.

Leistete Mutter Beihilfe zum sexuellen Missbrauch am eigenen Sohn?

Münster

Das Interesse am Prozess gegen Sabrina K. vor dem Landgericht Münster ist groß, die Vorwürfe sind unfassbar. Doch zum Prozessauftakt ist die Öffentlichkeit zunächst  nur kurz dabei - zum Schutz des jungen Missbrauchsopfers.

Von Dirk Anger

Zu Beginn des Prozesses im Missbrauchskomplex Münster sitzt die Mutter eines Opfers im Landgericht Münster und verdeckt ihr Gesicht mit einer Mappe. Foto: dpa/Guido Kirchner

Im großen Sitzungssaal des Landgerichts Münster sitzt Sabrina K. neben ihren beiden Rechtsanwälten auf der Anklagebank. Die 31-jährige Frau aus Münster, ganz in Schwarz gekleidet, verbirgt ihr Gesicht hinter einem grauen Aktendeckel, während die Kameraobjektive sie kurz vor Prozessbeginn am Donnerstagvormittag ins Visier nehmen.

Das Interesse am Verfahren gegen die Mutter des am häufigsten missbrauchten Jungen im Missbrauchsfall Münster ist groß. Denn die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft Münster gegen die Lebensgefährtin von Adrian V. erhebt, klingen ungeheuerlich. Obwohl die Mutter mindestens seit Oktober 2018 gewusst haben soll, dass ihr Partner ihren Sohn missbraucht, habe sie den Jungen häufiger mit Adrian V. allein gelassen und die beiden sogar gemeinsam verreisen lassen, sind die Ermittler überzeugt.

Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch

Die Anklage lautet unter anderem auf Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern durch Unterlassen. Obwohl die 31-Jährige ihren Sohn hätte schützen müssen, habe sie in Kenntnis der Umstände weitere Missbrauchstaten geschehen lassen, heißt es. Bei einigen dieser Taten soll sich die Angeklagte auch aktiv beteiligt haben, lautet der weitere Vorwurf.

Doch der Prozess ist bereits nach wenigen Minuten unterbrochen, weil die Vertreterin der Nebenklage für die Verlesung der Anklage den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt hat. Sie beruft sich auf schutzwürdige Interessen des Opfer, die verletzt würden, wenn die Details des Missbrauchs aus der Anklageschrift öffentlich bekannt würden. Nach kurzer Beratung schließt sich die achte Große Strafkammer dieser Sichtweise an. Die Beobachter müssen den Saal A 23 verlassen, ehe der Staatsanwalt die kaum fassbaren Vorwürfe und Anschuldigungen verliest. So war es auch schon im Verfahren gegen Adrian V..

Urteil soll Ende September gesprochen werden

Für den Prozess gegen Sabrina K., die nach monatelangen Ermittlungen Anfang Februar verhaftet worden war, sind neun Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 29. September gesprochen werden. Bereits am kommenden Dienstag (10. August) soll auch der als Drahtzieher im Missbrauchskomplex Münster geltende Adrian V. als Zeuge aussagen. Der 28-jährige Münsteraner war Anfang Juli zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt mit anschließender Sicherungsverwahrung worden.

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