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Villa ten Hompel ruft zu Gedenkaktion auf

Lichter gegen die Dunkelheit

Münster

In vielen Städten wird mit Stolpersteinen den im Nationalsozialismus Verfolgten gedacht. Am Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus beteiligt sich die Villa ten Hompel an einer bundesweiten Aktion, die ein Licht auf die Schicksale dieser Menschen wirft.

Die Villa ten Hompel ruft zur Beteiligung an den Gedenkaktionen „#DeportationenSichtbarMachen“ und „#LichterGegenDunkelheit“ auf und lädt dazu ein, Lichtzeichen zu setzen. Auch mit Kreidezeichen wird auf die Deportationen aufmerksam gemacht. Foto: Villa ten Hompel

Hunderte als jüdisch markierte Männer, Frauen und Kinder wurden seit dem Winter 1941/42 aus dem Münsterland in Ghettos und Konzentrationslager nach Ostmitteleuropa deportiert. Das Ziel der Täter: Die Ausgrenzung, Ausbeutung und Ermordung der Menschen, die nicht als Teil der „deutschen Volksgemeinschaft” galten.

Am 27. Januar 1942 erfolgte eine zweite Deportation von jüdischen Familien aus Münster nach Riga – diesmal über Dortmund und Gelsenkirchen. Nachbarn deportierten Nachbarn, oft bei Tageslicht und mit Genugtuung über das „Verschwinden“ dieser Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Stärker ins Bewusstsein rücken

Heute vergegenwärtigen unter anderem Stolpersteine an den letzten oder letzten frei gewählten Wohnorten diese Verbrechen. Aber auch die Präsenz von Stolpersteinen unterbricht unseren Alltag zu Fuß längst nicht immer. Wie können wir das Schicksal der Deportierten und die städtischen Gedenkzeichen wieder stärker ins Bewusstsein rücken?

Das Team der Villa ten Hompel fordert in einer Pressemitteilung dazu auf, am Donnerstag (27. Januar) – gleichzeitig der Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus – um 19 Uhr für zehn Minuten ein Zeichen zu setzen: Es lädt alle Bürger dazu ein, buchstäblich Licht auf Stolpersteine zu werfen, am besten in der Nähe der eigenen Wohn- und Arbeitsorte.

Das Anzünden einer Kerze oder der Lichtkegel der Smartphone-Taschenlampe sind Lichtzeichen zur Vergegenwärtigung von Lebensgeschichten. Foto: Villa ten Hompel

Das Anzünden einer Kerze oder einfach der Lichtkegel der Smartphone-Taschenlampe – es sind Lichtzeichen zur Vergegenwärtigung von Lebensgeschichten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Villa ten Hompel setzen an vier Stellen Kreide- und Licht-Zeichen für die vier Familien, die vor 80 Jahren am 27. Januar aus Münster deportiert wurden:

  • Emma, Käthe und Louis Eichenwald, die aus dem sogenannten „Judenhaus” am Kanonengraben 4 deportiert wurden. Stolpersteine erinnern an ihren letzten frei gewählten Wohnort in der Leerer Straße 38 in Burgsteinfurt an die Familie.
  • Carl Hein, an seinem letzten freien Wohnort in der Hafenstraße 34.
  • Irma, Albert, Marianne, Rudolf, Sonja und Uri Gumprich, zuletzt aus freien Stücken wohnhaft in der Südstraße 44.
  • Mathilde und David Perlstein, zu deren Gedenken Stolpersteine in der Münzstraße 49 verlegt wurden.

Bundesweite Form des Gedenkens

Das Team versteht den Aufruf zum Mitmachen als diesjährigen Beitrag für die Aktion „#LichterGegenDunkelheit“, eine bundesweite Form des Gedenkens, initiiert durch das Haus der Wannsee-Konferenz, die Stiftung Topographie des Terrors (beide Berlin) und die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten.

Um die temporären Licht-Zeichen in Münster und im Münsterland auch über lokale Grenzen zu tragen und bundesweit zu einem Lichtermeer zusammenzuführen, sind alle Teilnehmer darüber hinaus eingeladen, Bilder und Videos ihrer eigenen Aktionen und Informationen zu den jeweiligen Verfolgten unter den Hashtags „#DeportationenSichtbarMachen“, „#LichterGegenDunkelheit“ und „#MünsterGedenkt“ über Instagram und Twitter zu teilen oder dem Team der Villa ten Hompel zur Veröffentlichung zukommen zu lassen.

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