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Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis 2021

Löwenzahn gibt Gummi

Münster

Was kann man aus Löwenzahn machen? Pusteblumen, Blumenkränze, Kaninchenfutter. Und noch etwas: Kautschuk für die Industrie. Ein münsterisches Löwenzahn-Projekt hat gerade Chancen auf den Deutschen Zukunftspreis.

Naturkautschuk aus Löwenzahn zeigt, dass eine nachhaltige Rohstoffversorgung möglich ist, meinen die Experten. Foto: Continental/Joern Lehmann/Deutscher Zukunftspreis

Das Gemeinschaftsprojekt „Nachhaltige Reifen durch Löwenzahn – Innovationen aus Biologie, Technik und Landwirtschaft“ hat Chancen auf den „Deutschen Zukunftspreis 2021“. Das Bundespräsidialamt hat jetzt im Deutschen Museum in München bekanntgegeben, dass Dr. Carla Recker (Continental), Prof. Dr. Dirk Prüfer (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) und Dr. Christian Schulze Gronover (Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME) gemeinsam nominiert sind.

Der Bundespräsident zeichnet jedes Jahr Einzelpersonen oder Teams für eine hervorragende technische oder naturwissenschaftliche Innovation aus.

Eine neue Rohstoffquelle

„Die Nominierung ist eine große Ehre für uns. Sie bestätigt einmal mehr das Potenzial einer neuen Rohstoffquelle für Naturkautschuk“, betont Dr. Carla Recker, Leiterin des Fachgebiets Materialchemie des Reifenbereichs bei Continental. „Die Industrialisierung des Anbaus von Löwenzahn-Kautschuk ist das Ziel unseres langfristig angelegten Projekts“, ergänzt sie. Der erste in Serie gefertigter Fahrradreifen aus Löwenzahn-Kautschuk, der Urban Taraxagum, zeige, dass marktfähige Produkte mit Naturkautschuk aus der Löwenzahnpflanze möglich seien, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.

Dr. Christian Schulze Gronover (l.), Dr. Carla Recker und Prof. Dr. Dirk Prüfer Foto: Deutscher Zukunftspreis/A. Pudenz

Seit 2011 arbeitet das Projektteam daran, Naturkautschuk regional aus Löwenzahn zu gewinnen, anstatt ihn ausschließlich aus weit entfernten Tropenregionen importieren zu müssen. „Der Schutz unserer Tropenwälder hat im Kampf gegen den Klimawandel oberste Priorität. Deswegen bedarf es auch eines Umdenkens in der Naturkautschuk verarbeitenden Industrie“, hebt Dr. Dirk Prüfer, Professor für Pflanzenbiotechnologie an der Universität Münster, hervor. Der Wissenschaftler erläutert, dass dieser Ansatz helfe, „vielen sozioökonomischen und ökologischen Herausforderungen in diesen Regionen entgegenzuwirken“. Mithilfe des regionalen Anbaus könnten Transportwege sowie damit die Kohlendioxid-Emissionen reduziert werden.

Keine Angst vor Löwenzahn

Der Weg zur Etablierung des Löwenzahns stellte dabei eine große Herausforderung dar. „Durch konsequentes, wissensbasiertes Handeln und mit moderner Analytik haben wir gemeinsam mit einem Pflanzenzüchter aus Wildpflanzen des Russischen Löwenzahns ertragreiche und widerstandsfähige Pflanzen gezüchtet. Zudem haben wir ein umweltfreundliches Verfahren entwickelt, um den Kautschuk aus den Wurzeln der Pflanzen zu gewinnen“, erklärt Dr. Christian Schulze Gronover, Leiter des Forschungsbereichs beim Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, Münster. „Von diesen Innovationen profitiert schon heute die gesamte Gesellschaft, beispielsweise Landwirte, Logistiker, Maschinenbauer – und die Radfahrer natürlich.“

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