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Langjähriger Leiter des Pumpenhauses gestorben

Ludger Schnieder ist tot

Münster

Im Alter von 67 Jahren ist Ludger Schnieder gestorben. Der Geschäftsführer und künstlerische Leiter des Pumpenhauses hat das Haus mitgegründet, richtungsweisend geprägt und ihm einen überregionalen Namen verschafft.

Gerhard H. Kock

Ludger Schnieder (Geschäftsführer des Pumpenhauses) ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Foto: Oliver Werner

In diesem Sommer wollte er die Geschäftsführung des Pumpenhauses an seinen Nachfolger übergeben. Jetzt ist Ludger Schnieder im Alter von 67 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

Und große Trauer. Schnieder war ein Kämpfer und Förderer der Freien Szene, holte außergewöhnlich spannende, herausragende Produktionen der internationalen Tanzszene nach Münster – sei es ins Pumpenhaus, sei es zum internationalen Straßentheaterfestival „Flurstücke“; er setzte wichtige Impulse in der Kulturpolitik. Ludger Schnieder war als Mensch und Macher von unbändiger Freiheit geprägt, meist munter frech bis fröhlich rebellisch, gelegentlich spitzbübisch, wenn es darum ging, frischen Wind in die münsterische Gemütlichkeit und Selbstgefälligkeit zu bringen. Und zugleich war Schnieder höchst solide: Selbstbewusst präsentierte er Jahr um Jahr einen ausgeglichenen Haushalt; eine solch solide Geschäftsführung hätten einige in der Politik den Freien, den kreativen Chaoten nicht zugetraut.

Film

Ludger Schnieder wurde am 28. Oktober 1955 zwar in Lünen geboren, wuchs aber auf in Bork (Ortsteil von Selm), spielte seit seinem 14. Lebensjahr Theater, wurde Mitglied der Naturfreundejugend und der DKP, studierte in Münster, lebte in einer Politkommune in Senden, stand im Ruhrpott auf der Bühne. Ein wildes Leben. Filmproduzent Adolf Winkelmann holte ihn 1978 für eine Hauptrolle in seinen mit dem Bundesfilmpreis in Silber ausgezeichneten Kultfilm „Die Abfahrer“.

Nach weiteren Film- und Fernsehproduktionen gab Schnieder die Schauspielerei auf, organisierte Kultur zum Beispiel in Hannover. Diese Fähigkeit machten sich einstige Schauspielkollegen der Theaterinitiative Münster (TIM) zunutze, lockten den Freigeist und Weltenbummler in die Domstadt zurück, mit der das Ruhrpottkind lange fremdelte. Aber Münster hat ihm auch Möglichkeiten gegeben und Freiheiten gelassen. Seit 1999 war Schnieder Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Theaters im Pumpenhaus in Personalunion, verschaffte dem Haus einen überregionalen Ruf. Er freute sich, dass seine „Hassliebe“, sein Münster über die Jahrzehnte „offener geworden“ ist. Ludger Schnieder hatte einen gehörigen Anteil daran.

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