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Serie: Influencer aus dem Münsterland

Photoshop-Künstler Lukas Zischke erweckt Bilder zum Leben

Münster/Westbevern

Lukas Zischke ist ein Künstler der Bildbearbeitung. Große Influencer posten seine Montagen und auch er selbst hat Zehntausende Follower. 

Lukas Zischke beim Bearbeiten eines Fotos. Foto: Martin Ruprik / privat

Photoshop statt Party. So hat es Lukas Zischke als Jugendlicher und junger Erwachsener immer gehalten. Während seine Mitschüler feiern gingen und immer unterwegs waren, saß der er in seinem Kinderzimmer und hat Fotos bearbeitet.

Das bereut der 28-Jährige bis heute nicht. Denn Zischke hat seinem damaligen Hobby viel zu verdanken – seine Bilder gingen viral, er selbst wurde zu einer kleinen Internet-Berühmtheit.

Photoshop durch Zufall entdeckt

Als Lukas Zischke mit neun oder zehn Jahren das erste Mal eine Kamera seiner Eltern in der Hand hatte, war er interessiert. „Aber so richtig angefixt war ich da noch nicht“, sagt er. Die Begeisterung kam erst später – mit 14 Jahren – als er durch Zufall „Photoshop“ entdeckte. „Die Möglichkeiten, was man mit einem Foto so machen kann, fand ich noch cooler, als das Fotografieren selbst. Die Kreativität beim Bearbeiten hat mich fasziniert“, sagt Zischke, der in Westbevern aufgewachsen ist.

Er probierte herum, brachte sich das Programm selbst bei. Seine Lieblingsaufgabe: sich selbst fotografieren und in andere Fotos einarbeiten. Aus seinen Bildern schwebte Zischke durch die Luft, er konnte fliegen oder ein Fisch schwamm in einer Glühbirne in seiner Hand. Fotos, die beim ersten Blick aussehen, wie echte Schnappschüsse.

„Die Menschen müssen eben zweimal hingucken, sie sollen hängenbleiben beim Betrachten und Staunen“, erklärt Lukas Zischke seine Idee. Und damit die Menschen überhaupt erst seine Fotos zu Gesicht bekamen, eröffnete der Bearbeitungskünstler eine Seite bei Facebook. „Das muss so 2011 gewesen sein, da war das noch das angesagte soziale Netzwerk“, sagt Zischke, dessen Bilder gut ankamen. „Es hat sich eine kleine Community gebildet“, sagt der Westbeverner, der nach einem Jahr bereits 10 000 Follower auf seiner Seite hatte.

Follower als weitere Motivation

Für Zischke eine weitere Motivation, die er eigentlich gar nicht brauchte. Denn der Spaßfaktor stand für den heute 28-Jährigen immer im Fokus. Er begann sich auf Hochhäuser zu photoshopen. Es sah aus, als wenn er in hunderten Metern Höhe auf dem Eiffelturm steht und gleich fällt. Oder er schaukelte über den Dächern von New York. Spektakuläre Bilder.

So spektakulär, so echt wirkend, dass die großen Medien auf Zischke und seine Fotos aufmerksam wurden. Die „New York Times“, die „Bild“ und auch unsere Zeitung berichteten über den Fotokünstler aus dem kleinen Westbevern. „Das hat mir natürlich viele neue Fans und Follower gebracht“, sagt Zischke, für den zu dem Zeitpunkt längst feststand, dass er seine Kreativität auch später im Job einsetzen wollte.

Nach seiner Schulzeit absolvierte Zischke eine Ausbildung zum Mediengestalter und arbeitete anschließend in dem Job in einer Werbeagentur in Osnabrück. „Durch die Arbeit hatte ich natürlich weniger Zeit für meine privaten Bilder“, sagt Zischke, der seine Aktivität auf Facebook und Instagram zurückfahren musste.

Montagen für große Influencer

Trotzdem fand er Zeit für die Bearbeitung von Fotos. Er wollte sich aber nicht mehr selbst irgendwo einbauen, sondern machte dies für die ganz großen Influencer. Instagram-Accounts wie “@yvonnepferrer” (1,5 Millionen Follower auf Instagram), „@coupleontour“ (2,5 Millionen Follower) oder „@xlaeta“ (2,9 Millionen Follower) posteten von Zischke bearbeitete Fotos.

„Daran habe ich nichts verdient. Ich habe es für mein Portfolio gemacht“, sagt Zischke. Ein Portfolio, das sich sehen lassen kann. Und eins, von dem er heute mehr denn je zehren kann. Denn 2020 hat er sich in Münster selbstständig gemacht – mit Kunden wie Bose, Audi oder Puma, für die er unter anderem Bilder für die sozialen Netzwerke kreiert und bearbeitet. „Die Selbstständigkeit war die richtige Entscheidung. Ich habe einen speziellen Kopf und so größere Möglichkeiten, ich kann ganz gut davon leben“, sagt Lukas Zischke, der sagt, dass er mit den Posts auf seiner eigenen Instagram- oder Facebook-Seite nie Geld verdient hätte.

Und das auch in Zukunft nie vorhabe. „Ab und zu poste ich da aus Spaß noch was“, sagt Zischke, um dessen eigene Social-Media-Accounts es sonst ruhig geworden ist. Accounts mit insgesamt 70 000 Followern, die aber trotzdem noch als gutes Portfolio dienen, wie er sagt: „Und darüber bin ich sehr froh, Social Media hat mir die Türen für meinen heutigen Beruf geöffnet.“

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