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Suppenküche soll 60 Senioren versorgen

Mahlzeit rollt mit Lastenfahrrad an

Münster

Bernhard Balsliemke und Fritz Heudtlaß von der Interessengemeinschaft „Hilfe für Nadrag“ waren in Rumänien. Im Gepäck ein Lastenfahrrad für die Suppenküche, damit kranke alte Menschen ihre warme Mahlzeit ins Haus geliefert bekommen.

Maria Meik

Marius H utanu, Mitarbeiter in der Suppenküche, erreicht nun mit dem Lastenfahrrad viel schneller auch die alten Menschen, die nicht mehr in die Suppenküche kommen können, so wie die blinde Victoria Ö. (kleines Foto). Foto: Privat

Für viele alte Menschen im rumänischen Dorf Nadrag sind die Helfer aus Münster ein wahrer Rettungsanker. So wie für die erblindete Victoria Ö. (73).

Einmal in der Woche erhält die sonst ganz allein auf sich gestellte Frau Besuch von ihrem Sohn. Wochentags kommt Marius Hutanu vorbei. Der Mitarbeiter der Suppenküche bringt ihr die warme Mittagsmahlzeit vorbei. Der mühsame Fußweg ist nun für ihn gelaufen. Er kann auf eine Lastenfahrrad umsteigen und fortan diejenigen mit Essen versorgen, die zu gebrechlich sind, um die Suppenküche aufzusuchen.

Wie bereits mehrfach berichtet, ist die Suppenküche vor 14 Jahren an den Start gegangen. Dank Bernhard Balsliemke, Initiator der münsterischen Interessengemeinschaft „Hilfe für Nadrag“, für die sich auch Fritz Heudtlaß ins Zeug legt. Gemeinsam waren die beiden im Mai in Rumänien. Für Balsliemke war es die etwa 20. Fahrt nach Nadrag. „3400 Kilometer machte die Hin- und Rückreise mit Zwischenstopp in Ungarn aus. „Das Ganze völlig ohne Stau“, staunt Heudtlaß.

Groß war die Freude, als sie ein Lastenfahrrad, einen Kinder-Rollstuhl sowie einen Rollator auspackten. Klaus Scholten aus Rheine, ein Freund von Heudtlaß, hatte zufällig ein Lastenfahrrad herumstehen, das er umfangreich aufmöbelte und es der Suppenküche spendete. Sehr zur Freude von Marius Hutanu, der nun die Ärmsten der Armen schneller versorgen kann.

„Die Renten sind erschreckend niedrig, die Lebensmittel teuer. Ohne Suppenküche wäre so manch alter Mensch wegen Mangelerscheinungen nicht mehr am Leben“, machen Balsliemke die traurigen Lebensumständen betroffen. Nun sind auch die beiden letzten Schuhfabriken als Arbeitgeber geschlossen – die Menschen sind für ihren Broterwerb in Europa unterwegs.

Damit bei der Hilfe nichts anbrennt, soll die Suppenküche, die mit der Caritas Temeschwar betrieben wird, nunmehr 60 Senioren statt 50 bedienen. Dafür muss ein neuer Herd für die großen Töpfe angeschafft werden. Zudem soll eine Halbtagskraft eingestellt werden. Ein Wunschprojekt der Interessengemeinschaft wäre eine Sozialarbeiterin. Und auch die Holzfenster in der Suppenküche müssten dringend erneuert werden. Dies soll mit Spendengeldern in Angriff genommen werden, sobald der Mietvertrag statt für ein Jahr auf fünf Jahre unter Dach und Fach ist.

Der dortige Pfarrer Josef Hollschwandner ist für die Münsteraner der Vertrauensmann vor Ort. Er kennt die in bitterer Armut lebenden Senioren persönlich. Balsliemke ist es wichtig, bei seinen Besuchen mit den Menschen zu sprechen. So wie neulich mit der 75-jährigen Cecilia N., die früher in dem ehemaligen Stahlwerk von Nadrag arbeitet, bevor eine schwere Maschine ihre rechte Hand abtrennte.

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