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Geomuseum der Uni

Das Mammut ist zurück in Münster

Münster

Das Mammut ist zurück: Nach 16 Jahren steht das "Ahlener Mammut" seit diesem Wochenende wieder im Geomuseum der Uni Münster an der Pferdegasse. Schon bald sollen Besucher das Skelett wieder bestaunen können.

Von Helmut P. Etzkorn

Es ist vollbracht: Das "Ahlener Mammut" steht nach 16 Jahren wieder in Münster. Foto: Helmut P. Etzkorn

Chef-Präparator Oliver Kunze drückt ein wenig sanft auf die Unterkante des gewaltigen Schulterblatts, dann klickt es leise und der letzte Knochen sitzt genau da, wo er sitzen muss. Nach 16 Jahren steht das „Ahlener Mammut“ seit Samstagnachmittag endlich wieder in voller Pracht in seinem „Heimatstall“ im Geomuseum der Uni an der Pferdegasse.

„Wir haben diesem Tag entgegengefiebert“, freut sich Museumsdirektor Prof. Harald Strauß. Seit 1911, ein Jahr nach dem Fund in einer Tongrube in Ahlen, war das Wollhaar-Mammut, vom dem zwei Drittel des Skeletts original erhalten sind, in Münster zu sehen. Mit dem Umbau des Museums musste es 2006 weichen, nun kann es wieder gezeigt werden.

Rippen und Wirbel aus Kunstharz erstellt

Kunze, ein bundesweit gefragter Restaurator paläontologischer Objekte, hat mit dem Aufbau in Münster eine jahrlange Detektivarbeit erfolgreich abgeschlossen. Für die Restauration nach über 100 Jahren Ausstellungs-Zeit musste Kunze in Museen, Magazinen und bei Hobbysammlern akribisch fahnden, um Ersatzknochen wie Wirbel und Rippen für entsprechende Kunstharz-Abgüsse  finden zu können. Auch das rechte Schulterblatt fehlte, es war früher aus Holz geschnitzt und ist jetzt ebenfalls aus dem leichteren Harz geformt worden.

Ersetzt wurden die maroden Gipsknochen, die seit 1911 das Skelett dort komplettierten, wo einzelne Knochen fehlten. Beim „neuen“ alten Mammut ist nichts mehr geklebt oder durchbohrt, einzelne Bereiche ruhen in jeweils maßgeschneidert angefertigten und für Zuschauer kaum sichtbaren Halterungen aus Stahl. Das Ausstellungsstück hat jetzt einen „freischwebenden Kopf“ ohne Haltestangen bis zum Boden. „Entstanden ist quasi ein Bausatz, den man nun in nur drei Stunden auf- oder abbauen kann“, so Kunze.

Mammut besteht aus 194 Knochen

Deutschlandweit ist nur ein Mammut, das 1903 bei Cottbus gefunden wurde, noch einen Tick besser erhalten. Das Eiszeit-Exponat mit seinen 194 Knochen und zwei Stoßzähnen wiegt 600 Kilogramm, ist 3,28 Meter hoch und 5,35 Meter lang. Nach dem Abbau in Münster  war das Mammut in der Klimaausstellung in Herne zu sehen, ehe es 2015 nach Stuttgart zur „Generalüberholung“ in die Werkstatt Kunze ging und dort wieder anatomisch korrekt zusammengesetzt wurde.

Bereits 2018 in Ahlen und 2021 in Arnsberg konnten es die Besucher bestaunen, nun ist es endgültig wieder daheim. Experten schätzen das Alter des Knochenfunds auf rund 43.000 Jahre, mit rund 40 Jahren ist der Bulle gestorben. Weil das Skelett in zähem Ton lag, war es gut konserviert und ein Glücksfall für die Forscher. Insgesamt wurden bislang in Deutschland zwischen 1903 und 1985 nur sieben Mammute gefunden, zwei wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, während das „Ahlener Mammut“ ausgelagert war und deshalb die Luftangriffe aus Münster unversehrt überstanden hat.

Geomuseum soll zum Jahresende wieder öffnen

Wenn das Museum zum Jahresende wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, steht das Mammut auf einer Holzkonstruktion und schaut durch ein eigens dafür eingebautes Riesenfenster aus dem Museum direkt auf den Domplatz. Wissenschaftler rechnen in den nächsten Jahrzehnten besonders in der Arktis und in Sibirien, wo aktuell der Permafrost auftaut, mit weiteren Mammut-Funden.

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