Drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe

Mann verging sich an Sohn der Freundin

Münster

Ein 31-jähriger Münsteraner ist zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass er sich mehr als 20 Mal an einem zum Tatzeitpunkt fünf Jahre alten Jungen vergangen hat.

Von Julia Körtke

Landgericht Münster Foto: dpa

Nachdem US-amerikanische Behörden einen Verdacht an das Bundeskriminalamt weitergeleitet hatten, wurden bei einem 31-jährigen Münsteraner kinderpornografische Dateien gefunden. Doch bei Videos und Bildern blieb es nicht. Er verging sich auch an dem damals fünfjährigen Sohn seiner Ex-Partnerin. Nun wurde vor dem Landgericht das Urteil verkündet.

Über eine Internetplattform hatte der Angeklagte in einer Gruppe namens „Kinderchat“ immer wieder Bilder hochgeladen und mit anderen Mitgliedern geteilt. Behörden aus den USA fiel das auf und nur einige Monate später wurde das Haus des 31-Jährigen und seiner damaligen Freundin durchsucht. Deren Sohn hatte seiner Mutter schon einmal von sexuellen Übergriffen des Angeklagten auf ihn erzählt – es aus Angst dann aber als eigene Lüge dargestellt. Doch durch den Fund der Bilder begann die Mutter ihm zu glauben. Es stellte sich heraus, dass der heutige Ex-Freund zwei Jahre lang sexuelle Handlungen vor dem Jungen vornahm und diesen auch zu solchen an sich zwang. Immer wieder kam das vor. Mutmaßlich über 20 Mal.

Antrag der Verteidigung abgewiesen

Schon Ende des Jahres 2017 musste der damals Siebenjährige der Polizei die Vorfälle schildern. Ende 2018 erhob die Staatsanwaltschaft dann Anklage wegen des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften. Erst knapp vier Jahre nach den letzten Taten wurde vor dem Landgericht Münster verhandelt und nun ein Urteil gesprochen.

Doch der letzte Prozesstag begann mit einem Antrag der Verteidigerin des Angeklagten. Sie wolle ein neues Gutachten über die Glaubwürdigkeit des Jungen. Nach den Widersprüchlichkeiten in seinen Erzählungen könne nicht ausgeschlossen werden, dass er von der Mutter instruiert wurde. Diese ist selbst Missbrauchsopfer.

Das Gericht wies den Antrag ab. Es könne auch durch eigene Erfahrung beurteilen, ob jemand lügt. Zudem sei es für einen jeden schwierig, sich an Details zu erinnern, die vier Jahre zurückliegen. Das, was der Junge in den vorausgegangenen Verhandlungen beschrieben habe, müsse der Wahrheit entsprechen. Solche Vorwürfe könne man sich in diesem Alter nicht ausdenken.

Dem Jungen wurde geglaubt und der Täter nun zu drei Jahren und neun Monaten Gesamtstrafe verurteilt. Wegen der langen Wartezeit bis zum Verfahrensbeginn sollen davon drei Monate als vollstreckt gelten.

Daneben muss der Angeklagte 4000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

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