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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Marco S. will sich umfangreich äußern

Münster

Am Rande des 14. Verhandlungstages wurde bekannt: Im Hauptprozess zum Missbrauchsfall Münster hat ein weiterer Angeklagter eine „umfangreiche“ Aussage angekündigt. Er soll unter anderem an den Missbrauchshandlungen in einer Gartenlaube im Norden der Stadt beteiligt gewesen sein.

Dirk Anger

Hinter Adrian V. auf der Anklagebank: Tobias S. Foto: Dirk Anger

Die Beweislast im Prozess gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte wegen schweren sexuellen Missbrauchs scheint erdrückend zu sein. Am Rande des 14. Verhandlungstages hat einer der beiden Verteidiger des 35 Jahre alten Marco S. aus Hannover angekündigt, dass sich auch sein Mandant zeitnah umfangreich einlassen werde. Im Dezember hatte bereits der Angeklagte Enrico L. (42) aus Schorfheide in dem Verfahren eingeräumt, was ihm die Staatsanwaltschaft an schwerem sexuellen Kindesmissbrauchs vorwirft.

Marco S. soll unter anderem an den kaum vorstellbaren Missbrauchshandlungen an zwei Kindern in einer Gartenlaube in Münsters Norden beteiligt gewesen sein. Dem Grunde nach hat der Hannoveraner nach Aussage seines Anwalt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bereits eingeräumt. Vor der angekündigten Einlassung bleibt lediglich offen, ob Marco S. mehr Details preisgibt, als die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage bereits zusammengetragen hat.

Vier Männer sollen zwei Jungen schwer missbraucht haben

Am Donnerstag ging es vornehmlich um eine Durchsuchung bei dem 30-jährigen Angeklagten aus Staufenberg in Hessen. Eine Polizeibeamtin aus Münster schilderte die Wohnungsdurchsuchung bei Tobias S. Anfang Juni 2020 – „der Tag, an dem das Gartenlauben-Video entschlüsselt wurde“, wie die Kriminalbeamtin sagte, die auf Nachfrage des Richters den Angeklagten, hinter Adrian V. auf der Anklagebank sitzend, zweifelsfrei wiedererkannte.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.

Tobias S. soll an schlimmen Taten in der Gartenlaube beteiligt gewesen sein, die sich über ein April-Wochenende 2020 zugetragen haben, bei denen sich die vier Männer an zwei Jungen vergangen haben sollen. Außerdem soll der zweifache Vater seinen eignen Sohn bei vier Gelegenheiten schwer sexuell missbraucht und davon Fotos angefertigt haben. Auch ein Mädchen soll er missbraucht haben, möglicherweise seine damals fünf Jahre alte Tochter. Bei Tobias S. wurden zahlreiche Handys, Tablets und Speichermedien sichergestellt.

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