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Münster-„Tatort“

Maues TKKG-Abenteuer mit wirrem Drehbuch

Münster

Der Münster-„Tatort“ holte eine der höchsten Quoten, trotz der wirren Handlung. Aber die Geschichtsstunden über Münster von Kommissar Thiel und „Vadder“ hatte es in sich.

Ralf Repöhler

Boerne macht als Ritter eine traurige Gestalt. Foto: Thomas Kost/WDR

„Vadder“ Thiel (Claus D. Clausnitzer) hat’s erkannt. Ja, so seien die Münsteraner, sagt er: „Eben noch schön Fahrradfahren und freundlich grüßen – und dann zack: Vielweiberei und alle hacken sich die Köpfe ab.“

Nun, als Leezenritter sind die Wiedertäufer nicht in die Domstadt eingefallen, wobei ja auch Holländer gerne mit der Fietse radeln. Viele Frauen hatten sie trotzdem, und einige von ihnen geköpft. Der Geist jener radikalreformatorischen Bewegung aus dem 16. Jahrhundert, einer der dunkelsten Geschichten der Stadtgeschichte, schwebt durch die sonntägliche Tatort-Folge „Es lebe der König“. Sie erzielt trotz verheerender Medienkritik (was sich auch in den sozialen Medien widerspiegelt) die höchste gemessene Zuschauerzahl für einen Film im Jahr 2020.

TKKG-Abenteuer mit wirrem Drehbuch

Zugegeben, der Quotenkönig entpuppt sich bei genauem Hinsehen als maues TKKG-Abenteuer, was vor allem am wirren Drehbuch liegt. Die Münsteraner unterhält mehr der kurze historische Impuls über das Täuferreich, wobei diesmal Thiel (Axel Prahl) vor Boerne (Jan Josef Liefers) doziert. Kleiner Tipp: „Es gab drei Bernds bei den Wiedertäufern“ – Rothmann, Krechtink, Knipperdollinck. Was ihr skrupelloses Wirken für die münsterische Stadtpsyche bedeutet, lässt sich kaum ermessen: eine tiefe Abneigung gegen alles Totalitäre, weiß Boerne.

Und was hat das alles mit dem Fall zu tun? Nichts! Leider. Eine Leiche treibt in schwerer Ritterrüstung im Wassergraben. Wer hat den Burgherrn geschuppt? Der eigene Sohn, der auf die fortschreitende Demenz des Vaters keine Antwort weiß und Geschäfte mit einem niederländischen Drogenbaron verhindern will.

Corona beeinflusst Dreharbeiten

Die Burg ist leider keine der hübschen münsterländischen Wasserburgen – gedreht wurde in einem Schloss in Grevenbroich und nur kurz in Münster. Corona lässt grüßen! Immerhin: Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) darf nach Herzenslust im „1648“, oben im Stadthaus, quarzen.

Immer wieder neben dem menschenleeren Prinzipalmarkt zu sehen: der Turm von St. Lamberti, so wie fast in jedem Münster-Tatort. Diesmal haben die Käfige allerdings einen Bezug zur Thielschen Geschichtsstunde über das Täuferreich.

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