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Missbrauchsfall Münster

Mehr als sieben Jahre Haft für Mutter von Missbrauchsopfer

Münster

Obwohl sie wusste, dass ihr Sohn vergewaltigt wird, hat sie nichts dagegen unternommen. Sabrina K., die ehemalige Lebensgefährtin von Sexualstraftäter Adrian V., wurde deshalb zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Die Strafe fiel jedoch milder aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Von Pjer Biederstädt

Da sie die Vergewaltigungen ihres Sohnes nicht verhindert habe, ist Sabrina K. in Münster zu einer Haftstrafe von sieben Jahre und neun Monaten verurteilt worden.  Foto: Matthias Ahlke

Beinahe zwei Jahre lang hat Sabrina K. gewusst, dass ihr damaliger Lebensgefährte Adrian V. ihren Sohn vergewaltigt – unternommen hat sie dagegen nichts. Sieben Jahre und neun Monate muss die 32-jährige Münsteranerin wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch durch Unterlassen ins Gefängnis.

Nachdem Sabrina K. ihr Gesicht am Mittwochmittag im Saal A 23 des Landgerichts minutenlang mit einer grünen Mappe und der schwarzen Kapuze ihres Pullovers vor den Kameraobjektiven geschützt hat, nimmt sie das Urteil mit offenem Visier, aber ohne sichtbare Regung entgegen.

Stiefvater übernachtete 189 Mal alleine mit dem Jungen 

Teile der Vorwürfe aus der Anklageschrift kann das Gericht nicht eindeutig beweisen, dazu ihr Teilgeständnis in letzter Sekunde, glaubhafte Reue, ihre Biografie mit eigenen Missbrauchserfahrungen und keine Vorstrafen – am Ende sind es zwei Jahre und drei Monate weniger als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Weniger grausam macht es ihre Tat nicht. In der Urteilsbegründung, die gegen den Willen der Nebenklage öffentlich verlesen wird, treten abscheuliche Details zutage. Sie habe es zugelassen, so der Vorsitzende Richter, dass der Stiefvater in den knapp zwei Jahren 189 Mal alleine mit dem heute zwölfjährigen Jungen übernachtet habe.

Schon 2014 habe Adrian V. ihr seine pädophilen Neigungen gestanden, im Oktober 2018 habe er ihr einen sexuellen Kontakt zu ihrem Sohn offenbart. Beide Male soll er ihr die Trennung angeboten haben. Doch sie lehnte ab, auch weil Adrian V. gedroht habe, sich umzubringen. Manipulativ ausgenutzt habe er außerdem, dass er und seine Mutter ihr ungekannten Rückhalt boten. Sie habe von zu Hause nur Misshandlungen und sexuelle Übergriffe gekannt.

Unvollstellbare Qualen

Spätestens im Oktober 2019 habe Sabrina K. erfahren, dass Adrian V. ihren Sohn weiter missbraucht. Das geht laut Gericht aus einer Tonbandaufnahme hervor. Der zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilte Adrian V. hatte seinen Stiefsohn auch anderen Männern zum Missbrauch angeboten. Dass Sabrina K. auch davon wusste, konnte nicht bewiesen werden.

Der Richter schilderte, wie Adrian V. die Beziehung aufrecht erhielt, um Zugriff zu dem Jungen zu haben. Sabrina K. sei sogar eifersüchtig auf ihren Sohn gewesen. „Führt doch Eure Beziehung weiter. Nehmt Euch doch ein Zimmer“, zitierte der Richter aus einem Chatverlauf. Am Ende der einstündigen Urteilsverkündung wendet sich der Richter an die Angeklagte: „Es hätten Taten verhindert werden können, wenn Sie eingeschritten wären.“ Als alleinerziehende Mutter wäre sie in besonderem Maße zum Schutz ihres Sohnes verpflichtet gewesen. Stattdessen hat sie ihn unvorstellbaren Qualen ausgesetzt.

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