1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Mehr Erziehungshilfen, mehr Missbrauchsfälle

  8. >

Gewalt gegen Kinder und Corona

Mehr Erziehungshilfen, mehr Missbrauchsfälle

Münster

Seit Beginn der Pandemie werden auch in Münster mehr Fälle von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch von Kindern aktenkundig. Der Jugendschutz muss auch häufiger wegen Kindeswohlgefährdung eingreifen, wie das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt dem Jugendausschuss berichtet.

Von Karin Völker

Der Missbrauchskomplex Münster – hier die inzwischen abgerissene Gartenlaube, in der viele der Taten begangen wurden – hat nach Einschätzung des Jugendamtes die Sensibilität der Menschen für sexuellen Missbrauch von Kindern erhöht. Foto: Marcel Kusch/dpa

Was viele Fachleute vermuten, belegen nun auch in Münster erste Zahlen aus der Verwaltung. Im Jahr 2020 verzeichnete der kommunale Soziale Dienst 20 Prozent mehr Gefährdungseinschätzungen für Kinder und Jugendliche als im Vorjahr. Auch für die Monate Januar bis Mai 2021 liegen die Zahlen auf dem erhöhten Niveau. Das bedeutet, dass das städtische Jugendamt erheblich häufiger eingreifen musste als früher, um Kinder zu schützen.

Einen Anstieg gab es auch bei den ambulanten Hilfen zur Erziehung, die die Stadt in Problemlagen gewährt. Hier ist in den Monaten Januar bis April 2021 ein Anstieg um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Die Zahlen legte das Jugendamt im „aktuellen Lagebericht“ zum Thema „Corona im Kontext der Kinder und Jugendhilfe in Münster“ vor.

Missbrauchskomplexe haben sensibilisiert

Erklärbar sei der Anstieg der Hilfebedarfe und der Kindeswohlgefährdungen mit zwei Faktoren: Zum einen habe die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen „zu einer Zuspitzung von Problemlagen in Familien“ geführt. Außerdem wirkten sich der Missbrauchsfall von Münster ebenso wie die Missbrauchskomplexe von Bergisch Gladbach und Lügde aus. Sie hätten zu einer erhöhten Sensibilität im Bereich sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche geführt.

Die Zahl von aktenkundigen sexuellen Missbrauchsfällen ist gegenüber dem Jahr 2019 in Münster nach oben geschnellt – und zwar von 22 auf 121 Straftaten, heißt es in einer Antwort des Jugendamtes auf eine entsprechende Anfrage der CDU-Fraktion. Auch diese eklatante Zahl sei mit dem Missbrauchsfall von Münster zu erklären. Die Zahl der Straftaten sei aber nicht gleichbedeutend mit der der Opfer. Gerade im Missbrauchskomplex Münster sei ja bekannt, dass das Hauptopfer, der Ziehsohn des Hauptangeklagten, in unzähligen Fällen missbraucht worden sei.

Die Zahl der aktenkundigen Kindesmisshandlungen ist im Jahr 2020 nur leicht gegenüber den Vorjahren gestiegen. Die Verwaltung verzeichnete 2020 elf Fälle, 2019 waren es neun, 2018 zehn Misshandlungs-Straftaten gewesen.

Startseite