IG Bau eröffnet Tarifrunde im Baugewerbe

Mehr Lohn und Wegezeit vergüten

Münster

Die ganze deutsche Wirtschaft in Schockstarre? Nein, auf dem Bau wird malocht wie lange nicht. Diese Arbeit soll sich auch auf dem Lohnzettel wiederfinden, fordert die Gewerkschaft.

Gerhard H. Kock

Auf der Großbaustelle der Oxford-Kaserne in Gievenbeck stellten sich die Arbeiter hinter die Forderungen ihrer Gewerkschaft. Foto: G. H. Kock

In der Wirtschaft hat im vorigen Jahr nicht viel gebrummt – die Bauwirtschaft schon. Laut Gewerkschaft stieg die Bruttowertschöpfung allein im münsterischen Bausektor im Jahr 2020 um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und diese Arbeit soll auf dem Lohnzettel ihre Wertschätzung erfahren. Auf einer der größten Baustellen Münsters, dem Oxford-Quartier in Gievenbeck, unterstrich die IG Bau zur Eröffnung der Tarifrunde im Baugewerbe ihre Forderungen: 5,3 Prozent mehr Einkommen, die Angleichung der Löhne im Osten an die des Westens und: Die Wegezeit muss entschädigt werden.

„Auch in Münster laufen die Arbeiten auf den Baustellen trotz Pandemie nach wie vor auf Hochtouren. Wegen des knappen Wohnraums in der Stadt haben die Firmen gerade beim Wohnungsbau sehr viel zu tun“, sagt Sven Bönnemann, stellvertretender Regionalleiter der IG Bau Westfalen. Arbeit gibt es also genug. Doch das Baugewerbe habe mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Für junge Leute seien die teils schwere körperliche Arbeit und die geforderte Mobilität in der Baubranche ein Hemmnis – letztlich die „Work-Life-Balance“. Weil der Bau natürlich nicht zum Arbeiter kommt, fahren die teils bundesweit operierenden Unternehmen ihre Mitarbeiter zu den Baustellen. Im Durchschnitt dauere eine Hinfahrt knapp eine Stunde, so Bönnemann.

Fachkräftemangel und "Bauübergang"

Fachkräftemangel auf der einen Seite, ein wachsender „Bauüberhang“ auf der anderen: Laut einer Schätzung des Pestel-Instituts (Hannover) im Auftrag der Gewerkschaft wurden in Münster zwischen 2011 und 2019 knapp 1700 Wohnungen mehr genehmigt als fertiggestellt. „Die Bau-Beschäftigten können sich vor Arbeit kaum retten. Jetzt ist es Zeit, dass sie an den guten Geschäften ihrer Branche fair beteiligt werden“, so Sven Bönnemann. Dann werde die Baubranche vielleicht auch wieder attraktiver für junge Leute. „Wir benötigen dringend Fachkräfte.“

Startseite