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„Wanne“ schiebt sich über die Ems

„Meilenstein“ beim Bau der neuen Kanalüberführung

Münster

Mit dem Verschub des Brückentrogs über die Ems zwischen Münster und Greven wird laut Wasserstraßen-Neubauamt Datteln ein „Meilenstein“ beim Neubau der neuen Kanalüberführung erreicht.

Helmut P. Etzkorn

Im Zeitlupentempo schiebt sich die riesige „Wanne“ an Stahlseilen auf dem roten Stahlgerüst über die Ems. Der 2110 Tonnen schwere Stahltrog ist der wesentliche Bestandteil der neuen Kanalüberführung zwischen Münster und Greven. Im Hintergrund die alte Kaiserbrücke, rechts Bauleiter Markus Wenzel. Foto: hpe

Die „Wanne“ ist 2110 Tonnen schwer und wird sich ab Mittwochmorgen Zentimeter für Zentimeter auf einem roten Stahlgerüst über die Ems an der Kanalüberführung in Gelmer schieben. Armdicke Stahlseile werden den Stahltrog über die Verschubkonstruktion ziehen. 30 Arbeiter sind dafür verantwortlich, dass alles millimetergenau passt.

Maximal zwei Zentimeter Abweichung

„Bei einer Breite von 36 Metern dürfen wir uns maximal eine Seitenabweichung von zwei Zentimetern leisten, bei der Dimension dieses Bauwerks schon eine Herausforderung“, sagt Bauleiter Markus Wenzel vom Wasserstraßen-Neubauamt Datteln. Über ein Jahr hat das Team auf den Lückenschluss hingearbeitet, jetzt muss alles passen.

Bauleiter Markus Wenzel, Wasserstraßen-Neubauamt Datteln

„Die Trogverschiebung ist im Projekt ein Meilenstein für die Neubaumaßnahme an der Kanalüberführung“, so Wenzel. Der Trog wird als Ersatzbrücke für Schiffe die alte Kanalüberführung über die Ems ersetzen. Dafür muss eine aufwendige und rund 1,6 Kilometer lange Umleitungsstrecke für die Schifffahrt gebaut werden. Das vier Meter tiefe Kanalbett dafür ist bereits ausgehoben und mit einer dicken Schicht aus Tondichtung, Schotter und Wasserbausteinen gefüllt.

Antirost-Beschichtung

Wenn der Trog in der kommenden Woche aufgelegt und abgesenkt ist, muss noch eine Antirost-Beschichtung aufgepinselt sowie Geländer und Elektrotechnik eingebaut werden. Danach wird der Behälter seitlich abgedichtet und für sechs Wochen mit Wasser gefüllt. Besteht die gut 62 Meter lange und acht Meter hohe „Wanne“ die Dichtigkeitsprüfung, können die Abschlussarbeiten an der Umfahrung beginnen.

Bauleiter Markus Wenzel, Wasserstraßen-Neubauamt Datteln

„Wenn alles nach Plan läuft, kann die Ersatzstrecke 2021 für den Schiffsverkehr freigegeben werden“, so Wenzel. Wenn die Umleitung in Betrieb ist, wird das bisherige Kanalbett trockengelegt, die alte Überführung abgerissen und durch einen zweiten Trog in gleicher Größe und Bauweise ersetzt. Dann stehen zwei nebeneinander liegende „Wannen“ parat und die Schiffe haben im Dortmund-Ems-Kanal pro Fahrtrichtung eine Brücke über die Ems zur Verfügung.

Insgesamt werden bis 2026 rund 120 Millionen Euro in den Neubau investiert. Allein für die Umleitungsstrecke mussten rund 500 000 Kubikmeter Boden abgefahren werden.

Die Kanalüberführung über die Ems

Die Ems markiert die Grenze zwischen Münster und Greven. Mit geschätzt 120 Millionen Euro ist die KÜ-Baustelle die aktuell teuerste und größte Maßnahme beim Kanalausbau. Die erste Kanalüberführung über die Ems entstand zwischen 1893 und 1897. Die alte Kaiserbrücke ist erhalten geblieben und steht unter Denkmalschutz. Von der Brücke aus können Interessierte die Großbaustelle gut beobachten, Rad- und Fußwege dort sind frei passierbar. Der Verschub des Troges soll bis Samstag dauern. Die alte Brücke wurde 1939 durch eine „Neue Fahrt“ ersetzt. Der alte Kanalarm war viele Jahrzehnte als „Badewanne Münsters“ ein Freizeitparadies. Seit 2015 wird die „Neue Fahrt“ ausgebaut, damit künftig Schubverbände bis 185 Meter fahren können.

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