1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Meist herrscht Einigkeit

  8. >

Podiumsdiskussion mit vier münsterschen Bundestagskandidaten

Meist herrscht Einigkeit

Münster

Vier Kandidaten von vier unterschiedlichen Parteien, die eigentlich nur genau ein gemeinsames Ziel haben: in den nächsten Bundestag einzuziehen. Doch die „Konkurrenz“, namentlich Dr. Stefan Nacke (CDU), Svenja Schulze (SPD), Maria Klein-Schmeink (Grüne) und Klaus Kretzer (FDP),k ging am Freitag bei einer Podiumsdiskussion der kfd St. Ida Gremmendorf sehr pfleglich miteinander um.

Von Helmut P. Etzkornund

Am Podium in St. Ida (v.l.): Klaus Kretzer (FDP), Svenja Schulze (SPD), Dr. Stefan Nacke (CDU) und Maria Klein-Schmeink (Grüne). Foto: hpe

Bewahrung der Schöpfung durch mehr Engagement im Klimaschutz, ein armutsfester Mindestlohn, mehr Wertschätzung und Lohn beispielsweise in der Pflege. Wer bei der Diskussionsrunde der vier münsterischen Bundestagskandidaten von CDU, SPD, FDP und Bündnis-Grünen am Freitagabend einen heftigen Schlagabtausch der politischen Kontrahenten erwartet hatte, wird auf dem KAB-Podium in St. Ida Gremmendorf enttäuscht.

Weil alle Kandidaten, die sich den rund 50 Zuhörern stellen, im Grundsatz gleiche Vorstellungen haben, ist es mehr ein relativ emotionsloser Gedankenaustausch des guten Willens. Für Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) müsste in Sachen Klimawandel und Artenschutz „die Krise weltweit angegangen werden“. Erneuerbare Energien müssten konsequent ausgebaut werden, Solar gehöre auf jedes Dach. Deutschland habe, so Schulze, „eine weltweite Verantwortung“.

Klein-Schmeink drückt aufs Tempo

Die grüne Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink will schon ab 2030 auf die Braunkohleförderung verzichten, ist für ein Tempolimit auf Autobahnen, begrüßt ein 50 Milliarden-Paket zum umweltverträglichen Ausbau der Industrie und glaubt, in den nächsten zwei Jahren in Sachen Energiewende „massiv vorankommen zu müssen“.

Beim Kohleausstieg mahnt der CDU-Kandidat und Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Nacke einen Kompromiss zwischen dem Erhalt von Arbeitsplätzen und der Umstellung auf die erneuerbaren Energien an. Verbote allein reichten nicht, man müsse „in Wissenschaft investieren und Lösungen anbieten“.

Auf seine Frage an die Podiumsnachbarn, ob man sich eventuell zugunsten eines früheren Ausstiegs aus der Braunkohle eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke vorstellen könne, gibt es ein einmütiges „Nicht zu verantworten“.

Klimaschutz muss für die FDP aus der Gesellschaft kommen

Für den FDP-Kandidaten Klaus Kretzer ist ein gesellschaftliches Engagement in Sachen Klimawandel entscheidend, die Wirtschaft müsse mit Innovationen aus Deutschland dazu beitragen, dass Weltklima zu retten.

Schulze begrüßt die Tendenzen, Innenstädte autofrei zu machen. Münster könne da von anderen Metropolen in Europa lernen. Autofreiheit erhöhe die Lebensqualität in der City, so die SPD-Politikerin. Für Nacke muss die Innenstadt von Münster auch künftig mit dem Auto erreichbar bleiben, er votiert für eine „pragmatische Bürgerpolitik statt Ideologien“.

Nacke will Planungssicherheit für Landwirte

Alle Kandidaten wollen mehr Tierwohl, sind für kleinere Ställe, eine regionale Vermarktung und mahnen Rahmenbedingungen an, die es Landwirten ermöglichen, diesen strukturellen Wandel wirtschaftlich vollziehen zu können. Nacke: „Die Landwirte brauchen Planungssicherheit, wenn sie umsteuern wollen.“

Klein-Schmeink betont in Sachen Asylrecht und Einwanderung, dass es endlich sichere und legale Wege geben müsse, nach Deutschland kommen und bleiben zu können. Man müsse Perspektiven schaffen und den Anspruch auf Einbürgerung im Gesetz verankern. Und, so Nacke, man müsse der Gesellschaft „die Angst vor einer Überfremdung nehmen“.

Unisono wurde ein Mindestlohn gefordert, der vor Altersarmut schütze. Dazu gehörten Tariflöhne, die nicht von der Politik, sondern von Gewerkschaften und Arbeitgebern festgelegt würden. Der drohende Fachkräftemangel sei nur aufzuhalten, wenn „gute Arbeit auch gut bezahlt wird“.

Startseite