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Konzerte zum Jahreswechsel in Wien, Dresden, Berlin, Dortmund und Osnabrück, aber nicht in Münster

Melodien-Sträuße und Corona-Absagen

Münster/Dortmund/Dresden/Wien/Berlin

Corona macht der Kultur erneut schwer zu schaffen. Die Neujahrskonzerte von Wien bis Berlin und von Dresden bis Dortmund finden unter unterschiedlichen Bedingungen statt. In Münster bleibt das Theater dicht. Ein Überblick.

Von Harald Suerlandund Johannes Loy

Generalmusikdirektor Golo Berg, hier beim Neujahrskonzert 2019, wollte sich in Münster dem Länderschwerpunkt Frankreich widmen. Die Neujahrs-Konzerte wurden allerdings abgesagt.Das Theater Münster Foto: Gunnar A. PierPeperhowe

Daniel Barenboim hat’s gut: Er darf nicht nur das Neujahrskonzert in Wien leiten, sondern auch noch vor Publikum musizieren. Keine Selbstverständlichkeit in Pandemie-Zeiten: Viele Zuschauer werden sich an die versteinerte Miene Riccardo Mutis erinnern, als er zu Beginn dieses Jahres im Goldenen Wiener Musikvereinssaal für ein unsichtbares Fernsehpublikum dirigierte. Der Saal war leer, der Dirigent angesichts diese Kulisse arg befremdet.

Barenboim bekommt immerhin den Rücken von 1000 Zuhörern im Saal gestärkt – so viele dürfen unter 2G-plus-Bedingungen, aber noch ohne Booster-Impfung dabei sein. Die übrigen 700 Kartenbesitzer, so teilte die Deutsche Presseagentur mit, werden auf Neujahr 2023 vertröstet. Oder müssen sich zu uns Fernsehzuschauern gesellen.

In Wien erklingen die üblichen Melodien-Sträuße mit obligatorischen kleinen Anreicherungen. In Berlin hingegen, wo an Silvester ebenfalls Publikum lauschen darf, hatten die Philharmoniker und ihr Chef Kirill Petrenko eine pfiffige Wien-Variante vorbereitet, die im Walzer-Wahnsinn des Franzosen Maurice Ravel gipfeln sollte. Jetzt aber springt Lahav Shani ein, der im Programm zwar „La Valse“ übernimmt, aber vorher ganz anders tanzen lässt: Strawinskys Ballettmusik „Der Feuervogel“ erklingt. Und den Anfang macht nun ganz wienerisch die Ouvertüre zur „Fledermaus“ von Johann Strauß. Nicht geändert hat sich, dass Max Bruch, der One-Hit-Wonder-Komponist des berühmten Violinkonzerts, hier stimmungsvoll aus der Reihe tanzt.

Kirill Petrenko hat Rückenschmerzen und kann nicht in Berlin dirigieren. Foto: imago stock&people

Zu den Berliner Dirigenten Barenboim (in Wien) und Shani gesellt sich beim Jahreswechsel wieder der gebürtige Berliner Christian Thielemann von seiner Noch-Chef-Stelle in Dresden. In der Semper-Oper setzt er mit der Staatskapelle auch auf Populäres und schaut hundert Jahre zurück auf die Goldenen Zwanziger mit Klängen von Gershwin bis Lehár. Mit dabei sind die Gesangssolisten Hanna-Elisabeth Müller und Saimir Pirgu sowie Pianist Igor Levit – nur leider keine normalen Zuhörer.

Bleibt noch ein Blick nach Westfalen: „Tanzende Leidenschaft“ ist der Titel der Neujahrskonzerte der Dortmunder Philharmoniker, die am Samstag, 1. Januar 2022, jeweils um 15 Uhr und um 19 Uhr im phänomenalen Dortmunder Konzerthaus stattfinden. Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz spielen die Dortmunder Philharmoniker unter anderem die „Slawischen Tänze“ von Antonín Dvořák, Auszüge aus den Balletten „Gayaneh“ und „Spartacus“ von Aram Chatschaturian, „Danza ritual del fuego“ aus „El amor brujo“ von Manuel de Falla und ebenfalls „La Valse“, das Poème chorèographique, von Maurice Ravel.

Daniel Barenboim meldet sich mit den Wiener Philharmonikern am Neujahrstag aus Wien. Foto: Michael Kappeler

In Münster waren die drei Neujahrskonzerte am 1. und 2. Januar mit dem Sinfonieorchester Münster und der Götz-Alsmann-Band längst ausverkauft. Dreimal 600 Gäste sollten im Großen Haus Platz mit üblichem Abstand nach Schachbrettmuster ihren Platz finden. Doch am Mittwoch sagte die Stadt Münster die Konzerte wegen der steigenden Corona-Zahlen inklusive Omikron-Variante ab. Einen Live-Stream wird es nach Aussage von Wolfgang Türk, dem Sprecher des Theaters, nicht geben. „Dies ist in der Kürze der Zeit nicht realisierbar“, sagte er auf Anfrage.

Götz Alsmann zeigte sich über die kurzfristige Absage bereits am Mittwoch enttäuscht. Er hofft noch darauf, dass die Konzerte in Kürze nachgeholt werden können. Ob das gelingt, ist aufgrund der unsicheren Pandemielage nicht abzusehen. Die drei Konzerte in Münster sollten sich eigentlich um den Länderschwerpunkt Frankreich drehen.

Im dritten Neujahrskonzert, das eigentlich am 2. Januar um 18 Uhr angesetzt war, wollte Oberbürgermeister Markus Lewe den scheidenden Generalintendanten Dr. Ulrich Peters standesgemäß verabschieden und zugleich dessen Nachfolgerin, Dr. Katharina Kost-Tolmein, in Münster begrüßen. Auch das muss jetzt verschoben werden.

Theater Münster setzt auf kleine Produktionen

Peters hat bereits die Interims-Intendanz am Badischen Staatstheater in Karlsruhe übernommen und wird dort auch ein Neujahrskonzert erleben. Seine aus Lübeck nach Münster wechselnde Nachfolgerin kann sich nun ein halbes Jahr früher als eigentlich vorgesehen intensiv auf ihre erste Spielzeit vorbereiten und das Haus und seine Belegschaft intensiv kennenlernen.

Ein Sprung von Münster entfernt ist das Theater Osnabrück. Und das bietet bei 70 Prozent Platzkapazität und 2G plus Maske sowohl „Die Fledermaus“ im Theater wie auch Neujahrskonzerte in der Stadthalle. Stand Donnerstag waren auch noch Restkarten zu haben.

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