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Missbrauchskomplex Münster

Mutter von Missbrauchsopfer kann mit kürzerer Strafe rechnen

Münster

Zu sieben Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe hat das Landgericht Münster Sabrina K. im Oktober 2021 verurteilt. Doch die Mutter eines vielfach missbrauchten Jungen kann jetzt auf eine kürzere Strafe hoffen. Der Bundesgerichtshof hat nämlich das Strafmaß kassiert.

Das Urteil des Landgerichts Münster gegen Sabrina K. (l.), hier zum Prozessauftakt, hat der BGH einkassiert. Foto: Matthias Ahlke

Die Mutter des am häufigsten vergewaltigten Jungen im Missbrauchskomplex Münster kann nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) mit einer milderen Strafe rechnen.

Sabrina K. war im Oktober vergangenen Jahres vom Landgericht Münster wegen Beihilfe durch Unterlassen zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Das Strafmaß hat der BGH wegen eines Verstoßes gegen das Doppelverwertungsverbot aufgehoben. Danach dürfen Merkmale des Straftatbestandes nicht noch einmal bei der Strafzumessung berücksichtig werden.

Zur Neubestimmung zurück ans Landgericht

Obwohl Sabrina K. fast zwei Jahre wusste, dass ihr Lebensgefährte Adrian V. den Sohn missbrauchte, unternahm sie nichts dagegen – wegen ihrer besonderen Rolle als Mutter wäre sie aber zum Einschreiten verpflichtet gewesen. Rechtlich wertete die achte Große Strafkammer des Landgerichts deshalb damals die Untätigkeit der Mutter als Beihilfe durch Unterlassen.

Zugleich berücksichtigte das Gericht 2021 aber strafschärfend bei Sabrina K. ihre Eigenschaft als alleinerziehende Mutter. Damit hat die Kammer laut BGH gegen das Doppelverwertungsverbot verstoßen und das Strafmaß aufgehoben. Wie lange die Mutter in Haft bleiben muss, entscheidet jetzt eine andere Strafkammer am Landgericht Münster.

Die Tatsachen-Feststellungen im Urteil gegen Sabrina K. aus dem vergangenen Jahr bleiben vom BGH-Entscheid indes unberührt. Die heute 33-Jährige hatte ihren Sohn 189 Mal mit dem Haupttäter im Missbrauchskomplex Münster alleine übernachten lassen, obwohl sie die pädophilen Neigungen ihres Lebensgefährten kannte und dieser ihr von einem sexuellen Kontakt mit dem Sohn berichtet hatte.

Der Lebensgefährte der Verurteilten gilt als Drahtzieher im Missbrauchskomplex, der sich um Vergewaltigungen von Kindern in einer Gartenlaube in Münster und anderen Orten in Deutschland dreht. Der IT-Techniker war im Mai 2020 festgenommen und zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. 

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