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Münsterische Reaktionen auf die Missbrauchsstudie

„Hoffentlich wird heute jedem adäquat geholfen“

Münster

Viel Lob für die Missbrauchsstudie, viel Sprachlosigkeit angesichts ihres Inhalts. Die münsterische Öffentlichkeit wartet nun auf die angekündigte Stellungnahme des Bischofs.

Von Lukas Speckmann

Die Historiker Thomas Großbölting (l) und Klaus Große Kracht stellen die Studienergebnisse aus dem Missbrauch von 1945 bis 2020 im Bistum Münster vor. Foto: Guido Kirchner/dpa

„Das Thema Missbrauch berührt die Menschen ins tiefste Mark – und nun haben wir es schwarz auf weiß“, sagt Pastoralreferentin Pia Reich. „Wir wussten natürlich, das mit der Studie vieles auf uns zukommt. Aber die Zahlen sind erschreckend.“

Pia Reich spricht für die Pastoralreferentinnen und -referenten im Stadtdekanat, die am Dienstag zu ihrem ersten Treffen nach mehrjähriger Corona-Pause im Pfarrheim St. Michael zusammenkommen. Die aktuelle Missbrauchsstudie bedrückt die Runde sehr; nicht zuletzt, weil alle wissen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. „Da wird noch einiges ans Licht kommen“, meint Pia Reich.

Für Pfarrer Ulrich Messing vom Stadtdekanatsvorstand geht es nun vor allem um die zahlreichen Missbrauchs­opfer: „Hoffentlich wird heute jedem, der sich meldet, adäquat geholfen.“ Er spricht von einer inhaltlich bedrückenden, gleichwohl hervorragend verfassten Studie: „Alle lesen sie oder beschäftigen sich damit.“

Sachliches Mitgefühl, empathische Akribie

Das Team um Prof. Thomas Großbölting habe „mit sachlichem Mitgefühl und empathischer Akribie überzeugt“, meint auch Lisa Kötter von „Maria 2.0“ in Heilig Kreuz. Betroffene bekämen dank der Studie endlich das Gefühl, „nicht selbst die Nestbeschmutzer zu sein“.

Unter den zwölf detaillierten Fallstudien sind auf Anhieb zwei Fälle erkennbar, die für Münster von Bedeutung sind: Zum einen hat der 2007 verstorbene Kaplan Heinz Pottbäcker seine letzten Lebensjahre hier verbracht und durfte – obwohl die Vorwürfe gegen ihn längst bekannt waren – in einigen Pfarreien noch aushilfsweise tätig werden.

Täter fand seine Opfer im Vinzenzwerk

Zum anderen wird ausführlich über den 2017 verstorbenen Pfarrer Franz N. berichtet, der als Ehrenamtlicher schon in den 50er-Jahren, danach aber vor allem in seiner Zeit als Diözesanpräses der Kolpingsfamilien (1966-1971) gezielt den Kontakt zu Kindern des Handorfer Vinzenzwerks suchte, um sie in seiner Wohnung zu missbrauchen.

Das ist schon seit einigen Jahren bekannt. Nach Auskunft von Einrichtungsleiter Bernd Paßlick wird mittlerweile massiv auf Prävention und sexualpädagogische Konzepte gesetzt – um „Sprechbarkeit zu gewährleisten“, wie er sagt. „Das ist Teil der Geschichte des Vinzenzwerks. Aber für die Opfer endet es nie.“

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