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Archäologisches Museum präsentiert 3-D-Modell

Mit dem Joystick ins antike Athen

Münster

Baedeker war gestern, heute ist ein Joystick angesagt: Das Archäologische Museum der WWU am Domplatz hat eine VR-Brille angeschafft, mit der man durchs antike Athen streifen kann.

Von Lukas Speckmann

Mit Hilfe einer VR-Brille lässt sich im Archäologischen Museum ein Modell der antiken Agora von Athen digital durchqueren. An diesem Ort wurden die Demokratie geboren und der Frieden gefeiert. Foto: Matthias Ahlke

Was hätte Friedrich Korfsmeyer wohl dazu gesagt, dass man in seinem Modell digital spazieren gehen kann? Der vom Altertum begeisterte Lehrer aus Bielefeld hatte 1960 den antiken Staatsmarkt („Agora“) von Athen als Anschauungsobjekt für seine Schüler angefertigt. Seit rund 20 Jahren gehört das imposante Modell dem Archäologischen Museum der Universität, seit anderthalb Jahren wird es dort tatsächlich ausgestellt. Und vor Kurzem wurde es komplett eingescannt – es steht jetzt als 3-D-Modell den Museumsgästen zur Verfügung. Willkommen im Mutterland der Demokratie!

Wer es schafft, die begehrte VR-Brille („virtuelle Realität“) für sich zu ergattern, sollte sich für den Rundgang durch das Stadtzentrum unterhalb der Akropolis im Jahr 150 nach Christi Geburt ein wenig Zeit nehmen: Linker Hand bestaunen wir das imposante Hephaisteion, im Zentrum des Platzes den wuchtigen Zwölfgötter-Altar. Versäumen Sie nicht den Blick auf Eirene, die Friedensgöttin, deren anmutiges Standbild, eine Arbeit des großen Kephisodot, die Szene beherrscht.

3-D-Modell wird ständig erweitert

Die Technik ist noch nicht so weit, dass man in einem der typischen Marktlokale an einem Souvlaki knabbern könnte, aber die Spezialisten der Firmen „denkmalDaten“ (Münster) und „Denkmal3D“ (Vechta) arbeiten sicher auch daran. Das dreidimensionale Athen werde laufend verbessert und mit Zusatzfunktionen ausgestattet, versichert Kustos Dr. Helge Nieswandt.

Im Archäologischen Museum lässt sich ein Modell des Staatsmarktes von Athen in 3D erleben. Foto: Matthias Ahlke

Das digitale Modell, das zweite seiner Art nach einer bereits 2019 präsentierten Grabkammer, steht am Beginn einer größeren Digital-Strategie des Archäologischen Museums, berichtet dessen Leiter, Prof. Achim Lichtenberger. Man sei im Begriff, das ganze Museum einzuscannen – nicht nur als digitale Notlösung für den Fall eines neuen Lockdowns. Mit diesem Computerspiel-Look könne man jüngere Besucher für die Antike begeistern, aber auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs einen klaren Eindruck von räumlichen Zusammenhängen vermitteln.

Anschaulich selbst für Wissenschaftler

Kleiner Schönheitsfehler: Korfsmeyers Meisterstück ist nicht auf dem neuesten Stand. Doch jede Rekonstruktion sei nur eine Augenblicksaufnahme, versichern die Archäologen – das gelte für ein Stadtmodell von 1960 genauso wie für seine Digitalisierung von 2021. „Wenn Sie in Athen im Stau stehen, merken Sie, wie anschaulich dieses Modell ist“, versichert Helge Nieswandt. Da können die schönsten Objekte in der Vitrine kaum mithalten.

Das Modell von 1960 wurde jetzt komplett eingescannt. Foto: Matthias Ahlke

Wenn die Sponsoren – nicht zuletzt das Kulturministerium, die Sparkassenstiftung, die Kerykeion-Stiftung und der Förderverein – weiterhin so großzügig sind, kann sich das Museum um die nächsten Modelle kümmern. Friedrich Korfsmeyer hat auch Olympia und Delphi nachgebaut . . .

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