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Alexander Herrmann in der Halle Münsterland

Mit der Axt gegen den Thermomix

Münster

Alexander Herrmann kochte am Freitagabend „Schnell mal was Gutes“ in der Halle Münsterland. Der TV-Koch geizte dabei nicht mit flotten Sprüchen und einem Angriff auf das Küchengerät Thermomix.

Günter Moseler

Alexander Herrmann (r.) kochte mit Co-Moderator Marco Laufenberg, links daneben steht die Statue mit Axt im Thermomix. Foto: Moseler

Das waren goldene Zeiten: Jeden Mittag schien Mutti das schönste Essen aus dem Ärmel zu schütteln und auf den Tisch zu zaubern. Tempi passati! Heutzutage triumphieren Gourmet-Kapitäne, die, zwischen Pfannen, Töpfen und Schüsseln manövrierend, Kurs auf Feinschmecker-Preziosen halten und ihre Messer wie Schwerter kreuzen. Auch das in romantisches Nachtblau getauchte Skyline-Panorama vor der Anrichte im Congress-Saal schien eine Haute-Couture-Explosion spektakulärer Spezialitäten zu suggerieren. Hier präsentierte der „James Bond aller TV-Köche“, Alexander Herrmann, Lust und Laune als todsicheres Rezept für ultimative Kochkunst.

Für Herrmanns Show „Schnell mal was Gutes“ heizte Marco Laufenberg ein („Mach‘ mal ein Geräusch, wenn‘s dir schmeckt“ – „Ahhhhh“ – Klingt erotisch...“). Kaum erschien der Meister, eine flotte Pointe zum Thermomix auf den Lippen, fiel das Zuschauerauge schon auf die futuristische Skulptur links der Bühne: Eine monströse Axt steckte da klaftertief in einer abstrusen Apparatur, aus der irgendwie rotes Gedärm quoll. Ein Sockel stemmte das Ding in die Höhe wie eine Freiheitsstatue des schlechten Geschmacks – der Sternekoch entlarvte den Thermomix als Intimfeind: „Wer hat so was?“ Dann rückte ein Plasmabildschirm das Kochfiligran in die „face-to-face“-Perspektive, es war, als hocke man mit Frikadelle und Fischfilet selbst in der Pfanne.

Fröhlich hantierte Herrmann mit Besteck und Geräten und plauderte fidel über sein populäres Leben, von „Inas Nacht“ („Ina, diese Bitch“) bis hin zum Tutti-Fiasko berühmter Kollegen in einer Sendung: Da hätte Alfons Schuhbeck eine Création Herrmanns gekostet und resümiert: „Wenn ich ein Magengeschwür hätte, wär‘s jetzt weg“.

Düfte zogen wie luxuriöse Narkotika durch den Saal, denn alle kulinarischen Höhenflüge landeten auch im Magen des Publikums. Kenner und Vorkoster wurden auf die Bühne gebeten (Günter: „Meine Frau hat die Karten gekauft“), fünf Enten schmorten bei 230 Grad im Auftrag seiner Majestät Alex I. Richtung „Schlaraffenland“. Butterwürfel schmolzen pfundweise dahin, Exotika wie „Zampone“, der gefüllte Schweinsfuß, hatten ihren rhetorischen Auftritt. Einer der Gags beim Kochen von Herrmann lautete: „Der schwierigste Gast ist der Schwiegervater, der nicht kochen kann“.

Anekdoten über Lobeshymnen des TV-Publikums wurden dezent-amüsiert kommentiert: „Die hätte den Rehrücken auch roh gegessen!“ Es prasselte Beifall, bevor die Zuschauer heimwärts strebten – glücklich durchgegart.

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