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Pumpenhaus: Cion – ein Requiem aus Südafrika

Mit Wucht und Intensität

Münster

„Cion – Requiem of Ravel‘s Bolero“ ist der Titel dieser furiosen Tanzproduktion, mit der das Vuyani Dance Theatre aus Johannesburg die diesjährige Theater-Saison im Pumpenhaus eröffnete. In gut einer Stunde bringt die 17-köpfige Compagnie ein Tanzstück auf die Bühne, das die Vergänglichkeit des Menschen mit einer Wucht ins Rampenlicht stellt, die man in dieser Intensität selten sieht.

Starke Bilder zeigen die Vergänglichkeit des Menschen.         Foto: Hogg

Die Bühne ist schwarz, nur ein Schluchzen ist zu hören, das sich von Jammer und Schmerz zu einem traurig-schönen Gesang entwickelt. Allmählich werden im Dämmerlicht schlichte Holzkreuze erkennbar, dazu eine Gruppe dunkel gekleideter Figuren, die sich wie ein pulsierendes Organ mit wippenden, schaukelnden Gesten auf der Stelle bewegt.

Einer von ihnen dominiert alle anderen: Eine Armbewegung, und die Gruppe richtet sich auf, ein Wink mit den Händen, und die Gesellschaft stürzt zu Boden. Während die Gruppe zwischen den Gräbern Trauer und Verzweiflung mit bloßen Füßen in den Boden stampft, bringt dieser elegant gekleidete Anführer einen der Männer dazu, vor Schmerz zu schreien. Wieder und wieder lässt er ihn vor sich knien, dreht und zieht an dessen Ohren, bis die Klagelaute kaum mehr zu ertragen sind.

„Cion – Requiem of Ravel‘s Bolero“ ist der Titel dieser furiosen Tanzproduktion, mit der das Vuyani Dance Theatre aus Johannesburg die diesjährige Theater-Saison im Pumpenhaus eröffnete. In gut einer Stunde bringt die 17-köpfige Compagnie ein Tanzstück auf die Bühne, das die Vergänglichkeit des Menschen mit einer Wucht ins Rampenlicht stellt, die man in dieser Intensität selten sieht.

Sämtliche Künste reizen die Performer bis zur Perfektion aus: Die Geräusche stammen von einem Beat-Boxer, dem es mit drei weiteren Sängern gelingt, Maurice Ravels „Bolero“ in percussiven Gesang zu übersetzen (Musik: Nthuthko Mbuyazi). Mannie Manim bringt Licht und Schatten, den Stimmungswechseln entsprechend, gekonnt zur Geltung. Das außergewöhnliche Tanzensemble fasziniert durch eine Technik, die traditionell-afrikanischen mit zeitgenössischem Tanz verbindet und sogar Breakdance mit Perfektion auf die Bühne bringt. Dabei sind es stets große Emotionen, die diese Ausnahmecompagnie transportiert: Schmerz, Wut, Verzweiflung. Das kleine Glück kommt nur im Pas de deux zarter Annäherung zum Ausdruck, und auch dann scheint ihm keine Zukunft gegönnt. Die Geliebte, symbolträchtig durch ein Leichentuch mit dem Mann verbunden, entzieht sich der Zweisamkeit: Sie habe gelernt, nicht zu lieben – wer nichts gibt, kann nichts verlieren.

Gregory Maqoma zieht in seiner Choreografie alle Register der Darstellungskunst und steigert das Tempo, wo es kaum mehr möglich erscheint. Noch als Trauernde stehen seine Tänzer stolz und stark vor den Gräbern, wenn sie ihre Emotionen mit Steppschuhen in den Boden hämmern, laut und schnell wie ein Maschinengewehr.

Ein bis zur letzten Minute atemberaubendes Stück. Das Publikum dankte minutenlang mit stehenden Ovationen.

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