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Nach Polizeieinsatz in Kinderhaus

Statt Zwangsunterbringung: Der Müllsammler sitzt in U-Haft

Münster

Der in Münster stadtbekannte Müllsammler beschäftigte erneut die Justizbehörden. Erst wurde entschieden, dass er nicht zwangsweise in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden darf. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

Von Karin Völker

Blick durch das Gartentor auf das Grundstück des Müllsammlers im Wohngebiet am Althausweg. Auch außerhalb häufte der Mann eingesammeltes Sperrgut an. Foto: Oliver Werner

Gewaltandrohungen und echte Gewalt – die Liste der Vorfälle im Zusammenhang mit dem stadtbekannten Müllsammler und Kranbesetzer wurde in den vergangenen Wochen lang und länger. Zuletzt war aber für die Staatsanwaltschaft Münster offenbar das Maß voll. Sie beantragte beim Amtsgericht einen Haftbefehl gegen den 58-Jährigen.

Der erging just am Dienstagmittag zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Denn kurz zuvor hatte das Amtsgericht festgestellt, dass der am Vortag nach einem Polizeieinsatz festgenommene Mann nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) dennoch nicht zwangsweise in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden darf.

Amtsgericht: Keine zwangsweise Einweisung in Klinik

So wurde der Kinderhauser zwar aus der LWL-Klinik entlassen, aber sogleich von der Polizei wieder in Gewahrsam genommen. Noch am Nachmittag wurde der Haftbefehl nach einer Anhörung vom Amtsgericht verkündet, wie der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, erläuterte. Der Mann befinde sich nun in Untersuchungshaft und sei in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden.

Der in Münster als Müllsammler bekannte Mann war am Montag nach neuerlichen Bedrohungen gegen seine Nachbarin in Gewahrsam genommen worden. Foto: Oliver Werner

Botzenhardt legt Wert darauf, dass die Entscheidung des Amtsgerichts in Bezug auf die zwangsweise Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung und der Haftbefehl in keinem kausalen Zusammenhang stünden. „Unsere Behörde hatte bereits vor einer Woche den Haftbefehl beantragt“, so Botzenhardt. Das Amtsgericht habe den Sachverhalt „gründlich geprüft“ und am Dienstag entschieden.

Müllsammler soll Nachbarin bedroht haben

Zu dem Antrag der Staatsanwaltschaft, den Mann in Haft zu nehmen, sei die Einschätzung grundlegend gewesen, dass sich das von ihm ausgehende Gewaltpotenzial gefährlich gesteigert habe. Grundlegend für die Beantragung des Haftbefehls seien im Kern drei Vorfälle gewesen.

Kommentar: Endlich gehandelt

Ende August habe der Mann Polizeibeamte bei einem der Einsätze an seinem Haus „übelst beleidigt, gedroht, ihnen mit einer Schusswaffe ins Gesicht zu schießen, und dabei einen Stock in die Hand genommen“. Am 13. Oktober dann habe er, wie von Zeugen bestätigt, seiner Nachbarin Ingrid Peters ins Gesicht geschlagen. Anfang November seien Mitarbeiter des Ordnungsamtes von ihm mit einer Metallstange bedroht worden.

Video in Kooperation mit dem WDR

Spezialeinsatzkräfte der Polizei waren vor Ort

„Wir sehen die Entwicklung, dass von dem Mann nicht nur verbale Bedrohungen ausgehen, sondern er auch zu körperlicher Gewalt bereit ist und somit eine Gefahr von ihm ausgeht“, präzisierte Martin Botzenhardt.

Zwangsunterbringung nach „PsychKG“

Die vielen Anzeigen von unterschiedlichen Personen gegen den Müllsammler und Kranbesetzer seien sehr genau dokumentiert worden.

Der Kinderhauser kann nun Rechtsmittel gegen seine Inhaftierung einlegen, über die das Landgericht zu entscheiden hätte. In der übernächsten Woche, am 12. Dezember, steht der Mann, als Angeklagter vor dem Amtsgericht. Dann geht es erneut um Bedrohungen und Angriffe. In Freiheit war der im August 2021 zu einer Haftstrafe Verurteilte bisher ohnehin auf Bewährung.

Die Historie im Fall des Müllsammlers

9. November 2022: Die Lage in Kinderhaus spitzt sich zu: An nur einem Tag musste die Polizei dreimal ausrücken, weil der stadtbekannte Müllsammler Unruhe stiftete.

7. November 2022: Aus Sicherheitsgründen durfte der stadtbekannte Müllsammler und Kranbesetzer aus Münster-Kinderhaus während des G7-Treffens nicht in die Innenstadt. Für mächtig Unruhe sorgte er trotzdem.

17. Oktober 2022: Der Müllsammler muss sich erneut vor dem Amtsgericht verantworten. Der Termin für den Prozess steht fest.

13. Oktober 2022: Am Tag nachdem der Müllsammler aus Kinderhaus seine Nachbarin tätlich angegriffen hat, stellt die Polizei ihr eigenes Verhalten bei dem Einsatz auf den Prüfstand.

12. Oktober 2022: Der Mann aus Kinderhaus greift seine Nachbarin an – und diesmal bleibt es nicht bei verbalen Attacken.

23. September 2022: Nach der wochenlangen Kranbesetzung muss sich der Mann vor dem Amtsgericht verantworten. Doch der Termin für die Gerichtsverhandlung wird verschoben.

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