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AfD-Spitzenvertreter beim Neujahrsempfang

Münster als „vorderster Frontabschnitt“

Münster

Draußen tobt der Protest und im Rathaus? Dort empört man sich über das Spießrutenlaufen auf dem Weg dorthin. Mit martialischen Worten erklärt Kreissprecher Martin Schiller beim AfD-Neujahrsempfang Münster zum Kriegsgebiet.

Dirk Anger

AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen (r.) und Rüdiger Lucassen, Landeschef der NRW-AfD, im Gespräch im Rathausfestsaal. Foto: Oliver Werner

Im Foyer gibt es Brezeln, Käse, Wurst und dunkles Brot. Danach steht dem früheren AfD-Kreissprecher Helmut Birke aber in diesem Moment nicht der Sinn. „Unglaublich“, empört sich Birke über seinen Weg zum Rathaus. „Ich musste über ein Geländer klettern, an beiden Seiten wurde an mir gezerrt.“

Der Zugang zum AfD-Neujahresempfang durch das Heer der Demonstranten war am Freitagabend für einige Mitglieder und Sympathisanten der rechtsnationalen Partei offenbar ein Spießrutenlaufen. Die Polizei spricht von einem insgesamt friedlichen Versammlungsverlauf. Es habe aber Rangeleien gegeben, einige AfD-Teilnehmer seien bespuckt oder beleidigt worden.

So füllen sich die Reihen im Rathausfestsaal, als mit einer Viertelstunde Verspätung die Veranstaltung mit dem Bundesvorsitzenden Prof. Jörg Meuthen, dem NRW-Landeschef Rüdiger Lucassen und dem sächsischen AfD-Vorsitzenden Jörg Urban beginnt. AfD-Kreissprecher Martin Schiller begrüßt die Gäste „im vordersten Frontabschnitt der AfD“, die aber in der Domstadt ihr deutschlandweit schlechtestes Wahlergebnis bei der vergangenen Bundestagswahl hatte. „Willkommen im Kessel von Münster“, ruft Schiller in den Saal. Der Protest von der Straße bleibt dabei begleitendes Hintergrund-Geräusch.

Polizei-Bilanz

Am späten Freitagabend zog die Polizei eine Bilanz der Proteste. Hier die Mitteilung im Wortlaut:

Rund 4.000 Menschen haben am Freitag (7. Februar) in Münsters Innenstadt lautstarken Protest geäußert. Aus Anlass des Neujahrsempfangs der AfD hatte das Bündnis "Keinen Meter den Nazis" zur Teilnahme an drei Demonstrationen aufgerufen. Fast zeitgleich hatten das "Bündnis gegen Abschiebung" und eine Privatperson zwei weitere Versammlungen in der Innenstadt angemeldet.

Die Polizei sicherte den Bereich des Rathauses durch Absperrungen, verhinderte ein Eindringen in den Veranstaltungsbereich und schützte mit mehreren hundert Beamten das Grundrecht der Versammlungsfreiheit und der freien Meinungsäußerung.

Ab den Mittagsstunden kam es in der Innenstadt zu Verkehrsbehinderungen.

Meuthen sieht angesichts der Demonstranten vor der Tür noch „schwere, harte Arbeit gegen diese Widerstände“ in Münster. Die links-grüne Stadtgesellschaft hier sei „keine neue Erkenntnis“.

Inhaltlich dreht sich im Rathaus alles um die klassischen Themen der Rechtspopulisten: Flüchtlinge, Islam, Bewahrung deutscher Werte und Kultur – all das streift AfD-NRW-Chef Rüdiger Lucassen, ohne in seiner Rede konkrete Lösungen anzubieten.

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