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Ergebnisse zur Tiefengeothermie

Münster kann Wärme aus der Erde nutzen

Münster

Positive Ergebnisse in Münster:  Die Nutzung der Tiefengeothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in Münster ist möglich. Das hat eine aufwendige Analyse ergeben.

Ein Arbeiter steht auf dem Bohrturm an einem Geothermie-Bohrplatz. Foto: Uwe Anspach/dpa

Der Geologische Dienst NRW hat dem Regionalrat Münsterland nach neun Monaten Datenanalyse am Montag (26. September) die Ergebnisse der seismischen Messungen im zentralen Münsterland vorgestellt. Sie zeigen ein sehr gutes zweidimensionales Bild des Untergrundes nicht nur im Münsterland, sondern auch im Stadtgebiet von Münster, wie die Stadt mitteilt.

Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: „Tiefengeothermie kann in Zukunft ein wichtiger Pfeiler einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Nordrhein-Westfalen werden. Das macht uns unabhängiger von fossilen Energielieferungen. Wichtig ist, dass die regionalen Akteurinnen und Akteure jetzt zügig anpacken und in einem guten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern die Nutzung der Tiefengeothermie gemeinsam weiter vorantreiben.“

1832 Messpunkte

„Die Ergebnisse sind vielversprechend für unsere Stadt und die zukünftige Energieversorgung“, freut sich Robin Denstorff, Stadtbaurat der Stadt Münster. „Eine Nutzung der Tiefengeothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung scheint möglich. Das ist eine gute Nachricht. Der nächste Schritt ist eine 3D-Seismik, um genau Informationen für Bohrungen in dieser großen Tiefe zu haben.“ Im November und Dezember des vergangenen Jahres hat der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie-Klimaschutz und Energie seismische Messungen im zentralen Münsterland durchgeführt.

Fünf schwere Messfahrzeuge, sogenannte Vibro-Trucks, haben entlang zweier sich in der Stadt Münster kreuzender Messlinien mit insgesamt 73,5 Kilometer Länge an 1832 Messpunkten Vibrationen in die Tiefe geschickt. 3651 Geophone haben die Reflexionen der so erzeugten Schallwellen empfangen. Wie bei einer Ultraschalluntersuchung lässt sich aus den zurückgeworfenen Schallsignalen ein Bild erstellen, in diesem Fall ein Bild des Untergrundes bis in 6000 Meter Tiefe. Das Untersuchungsgebiet umfasste die Stadt Münster sowie die Gemeinden Billerbeck, Dülmen, Havixbeck, Nottuln, Rosendahl, Senden und Sendenhorst.

Aufwendige Aufbereitung

Geophysikerinnen und Geophysiker des GD NRW haben die Daten in den letzten zehn Monaten aufwendig aufbereitet und analysiert. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen den Erfolg der Messungen, denn es ergab sich entlang der Messlinien ein sehr gutes zweidimensionales Bild des Untergrundes. Kalksteinformationen können heißes Tiefenwasser enthalten Gleich drei Kalksteinhorizonte konnten in der Region Münsterland identifiziert werden. Das ist eine gute Nachricht, denn bei Kalksteinen geht man aufgrund ihrer Porenräume von einer hohen Wasserdurchlässigkeit aus. Dies ermöglicht es, heißes Tiefenwasser an die Oberfläche zu fördern – eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung der hydrothermalen Geothermie.

Geothermische Energie kann Fernwärmenetze, Industriebetriebe oder Gewächshäuser mit klimafreundlicher Wärme aus der Tiefe versorgen – rund um die Uhr, bei jeder Witterung und Jahreszeit, preisstabil, regional und mit geringem Flächenbedarf. Die Temperaturen, die im Münsterland erwartet werden, liegen für die flacheren Kalksteine ab ca. 1.000 bis 1.200 Meter Tiefe bei mindestens 40 °C. Für die tiefer liegenden Kalksteinschichten sind Temperaturen bis über 150 °C möglich.

Dank für die gute Zusammenarbeit

Zuvor schon vorliegende geologische Daten hatten vermuten lassen, dass in der Tiefe Kalksteine zu finden sind, doch nach den umfangreichen Messungen sind nun Lage und Mächtigkeiten genauer bekannt, wie es in der Mitteilung weiter heißt.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE NRW) beauftragt und gefördert, um den noch relativ unbekannten tieferen Untergrund im Münsterland näher zu beleuchten und Rückschlüsse auf eine mögliche geothermische Nutzung zu ziehen. Das MWIKE und der GD NRW möchten sich bei der Bevölkerung des Münsterlandes und den zuständigen Behörden für die sehr gute Zusammenarbeit bedanken. Auch unter den herausfordernden Bedingungen der Messungen bei Nacht konnte das Pilotprojekt planmäßig durchgeführt werden. 

Was sind die nächsten Schritte?

Nach Angaben von Projektleiter Ingo Schäfer bietet insbesondere der obere Horizont die Chance, in relativ kurzer Zeitspanne warmes Wasser zu erschließen, das dann mit einer Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau angehoben werden kann. Damit ließen sich Gebiete im Münsterland, beispielsweise Neubauviertel, mit regenerativer Energie versorgen.

„Die tieferen Horizonte stellen eine größere Herausforderung dar, da hier Bohrungen von mehreren Kilometern Tiefe realisiert werden müssen“, so Schäfer weiter. „Jedoch zeigen die Geothermieanlagen südlich von München, dass auch dies möglich ist. Zuvor sind jedoch weitere Explorationsmaßnahmen, vor allem 3D-seismische Messungen, mit denen die Schichten räumlich dargestellt werden können, notwendig.“ Die größeren Tiefen bieten auch höhere Chancen in Form von Temperaturen, die neben einer großräumigen Wärmeversorgung auch eine Stromerzeugung ermöglichen. Um den Herausforderungen der Energietransformation zu begegnen ist das Land Nordrhein-Westfalen in Vorleistung gegangen, wie es heißt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite www.seismik.nrw.de.

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