Während der Corona-Pandemie

35-Jährige Münsteranerin wagt sich an eigene Zahnarztpraxis

Münster

Gewagter Schritt: Mitten in der Pandemie hat sich die Münsteranerin Christine Arnheim mit einer Zahnarztpraxis selbstständig gemacht. Nicht irgendwo, sondern in ihrem Lebensmittelpunkt.

Von Karin Völker

Zahnärztin Christine Arnheim, bodenständig im Süden Münsters, hat sich von der Pandemie nicht aufhalten lassen. Sie hat eine Praxis übernommen – natürlich in ihrem „Revier“, dem Postleitzahlengebiet 48153. Foto: Oliver Werner

Vor einem Jahr, während der ersten Corona-Welle, wurde Christine Arnheim in die Kurzarbeit geschickt – viele Zahnarztpraxen stellten den Betrieb aus Angst vor Infektionen damals zeitweise ein. Das ist jetzt kein Thema mehr. Erstens, weil Zahnarztpraxen inzwischen das Infektionsrisiko gut beherrschen, zweitens, weil die knapp 35-jährige Münsteranerin inzwischen selbst Arbeitgeberin mit eigener Praxis ist. Christine Arnheim nickt: „Ja, es gibt vielleicht bessere Zeitpunkte, um eine Zahnarztpraxis zu eröffnen, als in einer Pandemie – verursacht durch ein durch Aerosole verbreitetes, hochansteckendes Virus“, sagt sie.

Aber Zaghaftigkeit war noch nie ihr Ding. Als ihr die Praxis am Ludgerikreisel zur Übernahme angeboten wurde, gab es neben vielen Vorteilen noch einen Grund einzuschlagen: Die Adresse liegt im Postleitzahlbezirk 48153 – und hier ist Christine Arnheim seit ihrer Geburt 1986 zu Hause. Aufgewachsen am Dahlweg, wohnte sie später an der Hammer Straße, jetzt im eigenen Häuschen in Berg Fidel zusammen mit Tochter Emilia, die bald zehn Jahre alt wird.

Vater Künstler aus Emden, Mutter Krankenschwester aus Ghana

Christine Arnheim ist alleinerziehende Mutter, sie korrigiert sich – „fast alleinerziehend: Meine Mutter hat mir oft geholfen – gerade jetzt, beim Homeschooling“. Die Mutter stammt aus Ghana vom Volk der Bulsa und kam in den 1980er-Jahren durch ein wissenschaftliches Projekt der Ethnologen der Universität als Übersetzerin ihrer Muttersprache nach Münster, wo sie Christine Arnheims Vater kennenlernte.

In der frisch renovierten Praxis am Ludgerikreisel hängen Bilder des Vaters. Der aus Emden stammende Künstler und Kunstpädagoge starb schon 2008 nach langer Krankheit. Für Christines Arnheims Mutter, berufstätig als Krankenschwester am UKM, blieb Münster Lebensmittelpunkt, mit dem Verein „Maaka“ unterstützt sie soziale Entwicklungsprojekte in ihrer alten Heimat.

Hauptsache mit dem Fahrrad zur Arbeit

Zwischendurch hat auch Christine Arnheim zweimal den Postleitzahlenbezirk 48153 für längere Zeit Richtung Ghana verlassen – für ein freiwilliges soziales Jahr nach dem Abitur und nach der Ausbildung zur Rettungsassistentin arbeitete Christine Arnheim für eine Weile an der deutschen Botschaft in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Weltläufig und gleichzeitig sehr bodenständig – so beschreibt sich Christine Arnheim. Zielstrebig ist sie auch: Das Zahnmedizinstudium in Münster zog sie in der Regelstudienzeit als junge Mutter durch – aus Leidenschaft für das Fach. Einen „Masterplan“ für die Praxiseröffnung habe es nicht gegeben, sagt sie. „Ich wusste nur: Ich möchte möglichst selbstbestimmt und hier vor Ort arbeiten, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können – und das ging gerade als Praxisinhaberin selbstständig besser als in einem Angestelltenjob.“

Praxis mit sieben Angestellten

Jetzt hat sie selbst sieben Angestellte, darunter eine Zahnärztin, das erste Quartal ist vorbei. „Es läuft. Ewig lassen sich Zahnarzttermine eben nicht aufschieben“, sagt Christine Arnheim im neu eingerichteten Wartezimmer, im Hintergrund läuft immer Musik – zur Entspannung der Patienten.

Dabei könnte die Zahnärztin auch selbst singen, sie verdiente sich während des Studiums als Sängerin mit ihrer Sopranstimme ein Zubrot.

Den Patienten was vorsingen – „ach nee“, sagt Christine Arnheim und dreht das Radio auf. Sie wartet lieber, bis ihr Chor „Blue Notes“ in der Heilig-Geist-Gemeinde nach der Pandemie wieder proben darf. Auch die liegt übrigens in der Nachbarschaft.

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