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Stadtmuseum zeigt Retrospektive von Berthold Socha

Münsterische Lebenserinnerungen in einer Ausstellung

Münster

Die Orte, die man auf den Bildern sieht, kommen einem bekannt vor – und sind doch irgendwie fremd. Kein Wunder: Schließlich hat Berthold Socha 50 Jahre gebraucht, um seinen Wohnort Münster in allen erdenklichen Facetten abzulichten. Endlich sind seine Bilder auch wieder im Stadtmuseum zu sehen.

Von und

Berthold Socha hielt in fünf Jahrzehnten das Leben in Münster mit seiner Kamera fest. Foto: Uschi Socha

Alte Fotos im neuen Gewand: Der Fotograf Berthold Socha hat mit seinen Bildern in und aus Münster ein solch umfangreiches Lebenswerk geschaffen, dass es jetzt nur ausschnittsweise in der großen Retrospektive „Auf Münster fixiert. Fotografien von Berthold Socha 1970-2020“ im Stadtmuseum der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.

Aufgrund der pandemischen Lage war der Besuch bislang nur wenigen Menschen vorbehalten. Nun hat sich die Situation aber geändert: Ab sofort stehen die Türen des Museums für eine spannende Zeitreise allen Gästen offen, wie die Stadt mitteilt. Unter den Motiven befindet sich so manch skurriles, aber auch sehr münsterisches Motiv. Seien es das wuselige Markttreiben aus vergangenen Zeiten, das tägliche Leben auf dem Prinzipalmarkt oder münsterische Originale wie Götz Alsmann und Onkel Willi.

Rundgang durch Erinnerungen

Besondere Ereignisse dürfen darin ebenso wenig fehlen – wie der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Münster oder die ersten Graffitis auf den „Pool Balls“ am Aasee. Ein Rundgang durch das Werk Sochas ist zugleich ein Rundgang durch die Erinnerungen an das Leben in Münster. 

Da die Leica-Kamera Sochas ständiger Begleiter war, konnte er all diese Momente des Stadtlebens, die sonst unwiederbringlich verloren wären, auf Film festhalten. Doch was treibt einen Menschen an, ein solch umfangreiches Werk zu erschaffen?

Interesse an Fotografie beginnt auf der Flucht

Die fotografische Geschichte beginnt in einem Zugabteil: Berthold Socha ist in Oberschlesien geboren und befindet sich 1945 als kleiner Junge mit seiner Mutter auf der Flucht. Sowjetische Soldaten durchsuchen die Gepäckstücke, nehmen der begeisterten Hobbyfotografin die Kamera ab. Sie finden Fotos und Negative, die sie kurzerhand bei voller Fahrt aus dem Fenster werfen. Erst später begreift Socha, dass dort nicht nur Papier, sondern Erinnerungen verloren gingen.

Die Familie zieht 1955 nach Münster. Sein Onkel, mit dem er begeistert über Leica-Kameras fachsimpelt, schenkt ihm eine neue Kamera von einem Leica-Ableger. Also startet auch er seinen Weg in und durch die Fotografie, erschafft in 50 Jahren ein Lebenswerk und überdies nach und nach eine kulturgeschichtliche Quelle von unschätzbarem historischen Wert.

Geschenk an das Stadtmuseum

Im September 2019 vereinbarten Oberbürgermeister Markus Lewe und Berthold Socha, dass der gesamte Nachlass des Fotografen als Geschenk dem Stadtmuseum übergeben wird. So führt „Auf Münster fixiert“ durch ein längst vergangenes Münster, das man zwar wiedererkennt, doch auf so vielfältige Weise auch ganz neu entdeckt.

Die Ausstellung kann bis zum 1. August besucht werden. Dazu ist ein Bildband erhältlich. Der Eintritt ins Stadtmuseum ist frei.

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