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Predigt von Felix Genn

Münsters Bischof stellt Grundauftrag der Christen in den Mittelpunkt

Münster

Der Krieg in der Ukraine ist dieses Jahr das beherrschende Thema in den Weihnachtspredigten der Bischöfe. Auch in der Predigt von Münsters Bischof Felix Genn am ersten Weihnachtstag spielte der Krisenherd eine zentrale Rolle.

Münsters Bischof Dr. Felix Genn (Archivbild) Foto: Dieter Klein

Als Freudenboten den Frieden anzukündigen und sich dafür angesichts eines vom Krieg und vielen Krisen überschatteten Weihnachtsfestes im Gottesdienst stärken zu lassen: Dazu hat laut Mitteilung des Bistums Münster der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am ersten Weihnachtstag alle Christen eingeladen. In einer Festmesse im St.-Paulus-Dom Münster führte er in seiner Predigt aus, wie Weihnachten auch in diesen Zeiten zum Friedensfest werden könne.

Unter Verweis auf den Krieg in der Ukraine und viele andere weltweite Krisenherde stellte der Bischof eingangs fest: „Unser Weihnachtsfest ist überschattet. Das Fest des Friedens entbehrt in diesem Jahr jeglicher Romantik, sind wir doch alle von dem Schicksal der Menschen betroffen, die zur Stunde irgendwo frierend Unterschlupf finden oder so gerne zu Hause wären, aber irgendwo in einem fremden Land auf die Rückkehr warten oder sie schon aufgegeben haben.“ Er räumte ein: „Wir können Weihnachten hier nicht feiern, bei allem Jubel und der Festlichkeit der Liturgie und der Musik, ohne diesen Schmerz mit zu bedenken. Wir können Weihnachten hier nur feiern, wenn wir die vielen Menschen, die durch Russland ihr Leben gelassen haben, und die Toten, die es an so vielen Stellen dieser Welt gibt, nicht vergessen.“

Grundauftrag für Christen

Zum Weihnachtsgottesdienst komme man zusammen, um sich Kraft und Energie geben zu lassen, „um zu Menschen zu werden, die als Freudenboten Frieden ankündigen, und zwar dort, wo wir es vermögen, wo wir gefordert sind.“ Gerade angesichts so vieler Krisen und Herausforderungen, denen sich die Kirche stelle und stellen müsse, bleibe „dieser Grundauftrag, von einem Gott zu sprechen, der so sich nach uns Menschen drängt, dass er selber Mensch wird.“

Um diesen Grundauftrag wüssten Christen, und sie wüssten auch, dass er ihnen oft nicht gelingt. Deshalb seien Gottesdienste „eine großartige Quelle, die uns immer wieder an die Ursprünge anbindet, uns neues Leben und neue Nahrung zukommen lässt.“ An Weihnachten spüre man besonders, dass Gottes Gabentisch reich gedeckt ist: „Was hat uns Gott an diesem Fest nicht alles zu sagen! Was hält er für uns bereit, das alle Dimensionen unseres bürgerlichen Weihnachtstisches übersteigt!“

Alles in der Schöpfung und im menschlichen Dasein enthalte eine tiefe Ordnung. Deshalb müssten die Menschen nicht in Chaos und Durcheinander leben, sondern hätten als Grund ihres Daseins „ein Wort der Liebe, die jede Erkenntnis übersteigt.“ Dieses Wort werde an Weihnachten Mensch: „Es tritt in die Auseinandersetzung mit uns Menschen ein, ruft uns heraus, dass wir uns zu ihm verhalten, so dass sich daraus eine tiefe Beziehung entwickeln kann.“ Gerade, weil Gott ein Kind geworden sei, könne man jede Angst vor ihm ablegen.

Starke Liebe der aktuellen Situation entgegensetzen

Aus der Demut der Krippe und der göttlichen Allmacht, so führte Bischof Genn aus, entstehe eine Spannung. Diese sei aufgehoben in einer unbegreiflichen Liebe: „Das gibt uns die Kraft, die Energie, das will uns die Liturgie und der feierliche Gottesdienst auch in einer Kriegssituation vermitteln, dass wir nicht müde werden, genau diesem Wort zu trauen, dass wir nicht müde werden, diesem tragenden Wort zu folgen.“

Die aktuelle Situation bestärke ihn „in der Überzeugung, dass der einzige Weg, der die Welt nicht in den Untergang führt, der Weg dieser ohnmächtigen und darin starken Liebe ist.“ Der Bischof wünschte allen Christen, dass davon ihr Herz erfüllt ist und dass Sorgen und Betrieb des Alltags nicht schon in wenigen Tagen diese Erfahrung wieder wegspülen, als sei Weihnachten nie gewesen. „Dann können auch Sie zu den Menschen zählen, die andere als Freudenboten ansehen, weil sie eine gute Nachricht bringen, die gute Nachricht eines liebenden, hilfsbereiten, starken Gottes“, sagte Genn abschließend.

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