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Hubert Wimber nahm an Online-Debatte teil

Münsters ehemaliger Polizeipräsident kritisiert Korpsgeist bei der Polizei

Münster

Der ehemalige Polizeipräsident von Münster, Hubert Wimber hat am Montag an einer Online-Debatte zum Thema Strukturen bei der Polizei teilgenommen und dabei den Umgang mit Kritik bei der Polizei in Frage gestellt.

Von Jonas Wiening

Symbolbild: Münsters ehemaliger Polizeipräsident wünscht sich eine besseren Umgang mit Kritik bei der Polizei. Foto: dpa

Welche Strukturen braucht unsere Polizei – welche Polizei braucht unsere Gesellschaft? Diese zentralen Fragen standen am Montagabend im Fokus einer Online-Diskussion. Der Grünennahe Verein Debatte e.V. aus Münster hatte zu der Veranstaltung über den Dienst Zoom eingeladen. Zu Gast war unter anderem der ehemalige Polizeipräsident von Münster, Hubert Wimber.

Hubert Wimber, ehem. Polizeipräsident von Münster

„Die Polizei ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, sagte Wimber. „Damit können wir uns aber nicht zufrieden geben“, ergänzte der Pensionär. Denn schließlich habe die Polizei das Gewaltmonopol im Staat. „Und deshalb müssen wir andere Anforderungen an die Beamten haben“, fügte Wimber an. Er sehe, dass das Verhalten der Polizei immer mehr im Fokus der Öffentlichkeit stehe. „Das hat sicher auch mit den sozialen Medien zu tun.“ Da sei der aktuelle Umgang der Polizei mit Kritik kontraproduktiv. Die Gewerkschaften und Führungspersonen würden sich zu oft unreflektiert vor ihre Polizisten stellen. Dieser „Korpsgeist“ verhindere eine Fehlerkultur, die einer besseren Aufarbeitung von Fällen wie zum Beispiel von rechtsextremen Polizeichats entgegenstehe.

Forderung: mehr Polizeiwissenschaft

„Polizeiarbeit ist nur erfolgreich, wenn sie nah am Bürger ist“, sagte Hubert Wimber. Schließlich würden rund 80 Prozent aller Straftaten durch Hinweise aus der Bevölkerung aufgeklärt. Auch deshalb sei es wichtig Vertrauen zu den Bürgern aufzubauen und Kritik anzunehmen. „Wir müssen Fehlentwicklungen erkennen und gucken, wie wir sie abstellen können“, so der ehemalige Polizeipräsident. Er sei nicht unzufrieden mit der Entwicklung der Polizei, aber unzufrieden mit dem Umgang mit Kritik“, sagte Wimber, der betonte, die Polizei dürfe natürlich nicht unter einen Generalverdacht gestellt werden.

Er schloss sich Verena Schäffer, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag an, die in der Diskussion am Montag mehr Polizeiwissenschaft forderte. „Zu meiner Zeit wurden 95 bis 98 Prozent der anfragen für Forschungsarbeiten wie Dissertationen oder Masterarbeiten zum Thema Polizei vom Land abgelehnt“, sagte Wimber. Das dürfe nicht sein, denn solche Forschung könne sehr wichtig für die Polizei sein.

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