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Jugendorchester Havixbeck konzertierte in St. Lamberti

Musik mit tröstlicher Botschaft

Münster

Das Jugendorchester Havixbeck gab unter der Leitung von Rainer Becker und gemeinsam mit Domorganist Lukas Maschke (Billerbeck) am Samstag in der Lambertikirche in Münster ein Benefizkonzert zugunsten der Menschen in der Ukraine. Und zeigte sich dabei von seiner allerbesten Seite.

Von Chr. Schulte im Walde

Das Jugendorchester Havixbeck präsentierte sich unter Leitung von Rainer Becker von seiner allerbesten Seite. Foto: Schulte im Walde

Musik kann wortlose Sprache sein, die jene Hoffnung formuliert, dass das Leben nicht mit Leid und Tod zu Ende geht. Dieser Impuls zieht sich durch die gesamte Musikgeschichte und steckt auch in zwei der Kompositionen, die das Jugendorchester Havixbeck am Samstag in der vollbesetzten Lambertikirche in all ihrer emotionalen Dichte zum Klingen brachte. Zwei Werke amerikanischer Provenienz von Frank Ticheli („An American Elegy“) und David Gillingham („Be Thou My Vision“), mit der das gut 60-köpfige Bläserensemble unter der animierenden Leitung von Rainer Becker all seine Qualitäten zeigen konnte. Und diese kann man gar nicht hoch genug loben.

Die beiden genannten Werke schufen mit ihrem ruhigen, durchaus auch etwas grau eingetrübten Tonfall die passende Atmosphäre für diesen Abend, mit dem an die Opfer des Krieges in der Ukraine gedacht wurde. Es bleibt in dieser Musik aber nicht bei Resignation, vielmehr scheint in ihr auch visionäres Licht auf mit einer klaren Botschaft: Leid und Tod haben eben nicht das letzte Wort. Am Ende stehen nach christlicher Überzeugung Friede und Versöhnung – wovon die Ukraine derzeit noch weit entfernt ist.

So einfühlsam das exquisite Jugendorchester hier die Tiefendimensionen der Partituren ausleuchtete, so quicklebendig präsentierte es etwa „Air und Variationen“ des Briten Robert Ely und vor allem die ebenso bizarre wie im koboldhaft purzelnden Rhythmus tanzende „Serenade“ von Derek Bourgeois – ein Meisterstück, das Dirigent Rainer Becker da mit seinem riesigen Klangapparat in Szene setzte. Hier kommt es auf absolute Präzision an, auf dicht verzahntes Miteinander, nicht zuletzt auf gepflegten, gediegenen Bläserklang. Bei den Havixbeckern gibt es da nicht die geringsten Defizite. Kein Wunder, dass sich die Jugendlichen seit Jahren immer und immer wieder in Wettbewerben an die bundesdeutsche Blas-Elite spielen. Im Frühjahr 2021 haben sie zusammen mit dem brillianten Lukas Maschke, Organist am Billerbecker Ludgerusdom, eine CD aufgenommen, in der Maschke genial begleitet und solistisch Modest Mussorgskys „Das große Tor von Kiew“ beisteuert. Auch jetzt beim Lambertikonzert. Niemand konnte damals ahnen, in welchem Kontext man dieses berühmte Klanggemälde einmal – also aktuell – sehen muss. Buchstäbliche Krönung dieses höchst beeindruckenden Auftritts des Orchesters: „Crown Imperial“ von William Walton, fester Bestandteil der Feierlichkeiten des britischen Königshauses. Alle Register durfte Rainer Becker da ziehen und wurde zusammen mit seinem Publikum in Glanz und Gloria hineingetaucht. Stürmischer Beifall in der Lambertikirche!

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