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Der Orgelsommer ist eröffnet

Musikalisches Menü mit Absacker

Münster

Der Orgelsommer in der Lamberti-Kirche ist eröffnet. Zum Auftakt servierte Gastorganist Juan Paradell Solé ein komplettes musikalisches Menü.

Von Chr. Schulte im Walde

Gastorganist Juan Paradell Solé spielte am Sonntag zur Eröffnung des diesjährigen Orgelsommers. Foto: cws

Ein Salat als Vorspeise zum darauf folgenden Hauptgang? So hätte man am Samstag in der Lambertikirche denken können. Denn was Gastorganist Juan Paradell Solé zur Eröffnung des diesjährigen Orgelsommers kredenzte, war nichts anderes als „musikalischer Salat“! So jedenfalls bezeichnete der Renaissance-Komponist Sebastián Aguilera de Heredia augenzwinkernd sein Stück, in dem verschiedene Themen eine Melange eingingen und nicht zuletzt die knackigen „Spanischen Trompeten“ der Schuke-Orgel zum Einsatz kamen. Ein festlicher Auftakt.

Dreierlei Geschmacksrichtungen

Juan Paradell Solé, gebürtiger Katalane mit Tätigkeitsschwerpunkt in Rom und im Vatikan, servierte nach diesem Amuse-Gueule ein Menü in dreierlei Geschmacksrichtungen: deutsche, französische und spanische Orgelkunst, darunter Johann Sebastian Bachs mit viel, viel Silberglanz angereicherte F-Dur-Toccata. Ein hierzulande unbeschriebenes Blatt ist der Spanier José María Usandizaga, dessen dreiteilige „Pieza sinfónica“ ganz in der französisch-romantischen Orgeltradition steht. Der Komponist Jesús Guridi entwirft hier ein stimmungsvolles Gemälde in anfangs zarten Farben, die sich gewaltig steigern. Da nutzte Juan Paradell Solé sämtliche Ressourcen der Orgel mit hörbarem Vergnügen. Mitunter mischte Solé aber auch mehr Zutaten in die Musik, als eigentlich nötig gewesen wären.

Virtuosenstück par excellence

Zum Schluss Louis Viernes „Toccata b-Moll“, ein Virtuosenstück par excellence, in diesem Orgel-Menü quasi die flambierte „Crêpes Suzette“. Wer das Stück spielt, hat alle Hände und Füße voll zu tun und muss Acht geben, sich nicht zu verbrennen! Nun gut, Juan Paradell Solé kam an diesem Abend in St. Lamberti nicht ganz ohne Blessuren davon. Großer Beifall war ihm dennoch sicher. Léon Boëllmanns „Toccata“ gab es als Absacker „aufs Haus“.

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