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Großer Andrang beim Flohmarkt auf der Promenade

Nachts beim Trödel stöbern

Münster

Leere Keller und Dachböden, dafür volle Tapeziertische: Der Sommernachtsflohmarkt auf der Promenade hat wieder Tausende Besucher angelockt. Zwischen Kitsch, Kunst und Kuriosem waren vor allem junge Leute unterwegs – aber auch erprobte Flohmarkt-Profis.

Von Timo Gemmeke

Viele Trödelfans kamen zum nächtlichen Stöbern auf den Promenadenflohmarkt Foto: Timo Gemmeke

Es ist gerade erst dunkel, immer noch T-Shirt-Wetter, und vor der barocken Schlosskulisse grüßt ein übermannshoher Buddha mit der rechten Hand. Daneben steht Claudia Bosman und nennt einer Kundin ihren Preisvorschlag für eine Gießkanne aus Zink.

Nach ein paar Sätzen kann die Niederländerin einen Schein einstecken, die Frau mit der Kanne zieht zufrieden weiter. „Mein Sprichwort ist immer: Der Käufer ist schon geboren, er muss nur noch kommen“, sagt Bosman, die seit fünf Jahren zusammen mit ihrem Freund Chris auf Flohmärkten in halb Europa unterwegs ist.

Drei Meter hoher Buddha für den Garten

Im Angebot haben die beiden so ziemlich alles, von Kerzenständern über Holzbänke bis zur besagten knapp drei Meter großen asiatischen Gartenstatue. Das Besondere: Fast alles davon kommt aus Frankreich.

„Ich fahre ein Mal im Monat nach Dijon und klappere da meine Geschäftspartner ab“, erzählt Chris. Dabei kann er auf eine gut gepflegte Kontaktliste zurückgreifen – bereits sein Vater und Großvater haben Geschäfte in Frankreich gemacht.

Mit der Kundschaf mäßig zufrieden

Mit der münsterischen Kundschaft sind die Bosmans an diesem späten Freitagabend eher mäßig zufrieden. „Es sind viele junge Leute hier, die eher stöbern als wirklich einkaufen“, sagt Claudia. „Das ist für uns okay, aber auch nicht der große Gewinn“.

Hannah Walldorf und Julius Brückner gehören eigentlich auch eher zur Stöber-Fraktion, müssen jetzt aber auch noch mal los zur Sparkasse. Am Stand der Bosmans haben die beiden Studierenden ein altes, aber gut gepflegtes französisches Rennrad gefunden, das Julius’ „alte Schrottmühle“ ablösen soll.

Hannah Walldorf

Warum das Pärchen den Freitagabend ganz leger beim Flohmarkt statt feiernd in Club oder Bar verbringt? „Die Atmosphäre ist einfach sehr cool“, sagt Hannah. „Freunde treffen, etwas trinken, quatschen – es ist schon irgendwie eine kleine Party.“

Genau diese lockere Stimmung herrscht auch am Stand von Inga und Marius Hobbeling. Und nebenbei scheint auch das Geschäftliche gut zu laufen. „So gut, dass ich eben sogar einen alten Wasserkocher verkauft habe“, sagt Marius Hobbeling und muss lachen.

Der gebürtige Münsteraner kennt den Promenadenflohmarkt seit seiner Kindheit. „Durch meine ersten Verkäufe habe ich mir ein ferngesteuertes Boot gekauft. Das hat zwar kaum funktioniert, Spaß hatte ich damit trotzdem“.

Zahlung per PayPal möglich

Dass auch ein Flohmarkt mit der Zeit geht, zeigt sich am Stand der Hobbelings exemplarisch. Während unter dem Tapeziertisch Umzugskartons mit VHS-Kasetten stehen, hängt etwas höher ein Schild mit der Aufschrift: Zahlung per Paypal möglich.

„Das ist zwar nicht die alte Schule“, weiß Hobbeling, „aber Geld ist Geld.“

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