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Stolpersteine zum Gedenken an Sinti-Familien im Kuhviertel

Nazis ermordeten 16 „Wagners“

Münster

Zwei Sinti-Famiilien mit dem Namen Wagner lebten bis zum Beginn der 40er-Jahre im Kuhviertel – dort, wo jetzt die Gesamtschule Münster-Mitte steht. 16 Mitglieder der Familien wurden durch die Nationalsozialisten ermordet. Jetzt erinnern Stolpersteine an deren Schicksal.

Von Klaus Möllers

Nachfahren der Sinti-Familien Wagner setzen die Stolpersteine in den Schulhof ein, legten Rosen dazu und zündeten Kerzen an. Foto: klm

Wo früher einmal die Brinkstraße im Kuhviertel verlief, steht heute unter anderem die Gesamtschule Mitte. An der Brinkstraße befanden sich bis Anfang der 1940er-Jahre unter anderem die Wohnhäuser der beiden Sinti-Familien Wagner. 16 Familienmitglieder, darunter neun Kinder, verloren erst ihr Zuhause und dann ihr Leben – sie wurden 1943 deportiert und im nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

An diesen furchtbaren Teil ihrer Familiengeschichte erinnerten am Samstag etwa 30 Nachfahren der Wagners aus Münster. Einige tragen durch Heirat und neue verwandtschaftliche Verbindungen den Nachnahmen Jörling. Für ihre toten Vorfahren setzten sie in das Pflaster des Schulhofs der Gesamtschule 18 der sogenannten Stolpersteine ein.

Verein „Spuren finden“ begleitete die Aktion

Der Initiator der europaweiten Stolperstein-Kampagne, Gunter Demnig, war am Samstag zwar nicht zugegen, dafür übernahm der Verein „Spuren finden“ die Begleitung der Aktion.

Beteiligt war auch der Zusatzkurs Geschichte des Jahrgangs Q 2 der Schule. Die Jugendlichen und ihre Lehrerin Julia Börger waren über den Vorsitzenden des Vereins, Peter Schilling, auf die Geschichte der Familien Wagner aufmerksam geworden und erfuhren, dass Verwandte und Verein Gedenksteine mit den Namen sowie Geburts- und Todesdatum darauf verlegen wollten.

Trauma für die Nachfahren

„Den Anstoß hatte Monika Jörling gegeben. Sie war im Geschichtsort Villa ten Hompel auf den Namen ihrer Familie gestoßen“, sagte Schilling bei einer Gedenkfeier vor der Verlegung in der Aula der Schule. Als öffentlicher Vermerk darüber, dass die Wagners nicht mehr an der Brinkstraße lebten, sei in den 1940er-Jahren dokumentiert worden: „Zigeuner. Unbekannt verzogen.“

Monika Jörling erklärte: „Es ist ein Trauma, das immer über unserer Familie gelegen hat. Es ist auch heute noch Thema.“ Ihr Cousin Willi Jörling erzählte am Rande der Feier, dass er noch ein Foto besitze, auf dem er als Dreijähriger auf einer Haustreppe der Wagners saß.

Schüler entwickeln Podcast

Die Schüler hatten im Unterricht in Gruppen ein Podcast „Die Geschichte der Sinti und Roma“ entwickelt, einen Beitrag zur Historie des Kuhviertels und seiner sozialhistorischen Zusammensetzung, ferner eine achtseitige Farbbroschüre zur Kultur der Sinti und Roma sowie Texte zu Ideologien, speziell dem Nationalsozialismus.

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